Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 291 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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291 bet übrig bleiben in geringer Zahl unter den Nationen, dahin euch der Ewige führen wird." (das. 4, 27). Damit aber kein Zweifel aufkomme an Israels Fortbestände und an der Unvergänglichkeit seines göttlichen Bundes, fügt Moses gleich hinzu: ״Barmherzig ist der Ewige, dein Gott, er wird dich nicht verlassen und nicht zerstören und nicht vergessen den Bund deiner Väter, den er ihnen geschworen." Und die anderen Propheten, die zum Theil den Zusammensturz des judäischen Reiches mit klarem Geist vorausgesehen, zum Theil selbst miterlebt haben, zweifelten dennoch keinen Augenblick an dem Fortbestände Israels und seiner Lehre. Höret was der Prophet der heutigen Haftarah dem verzagenden Volke zurust: ״Warum sprichst du, o Jakob, und redest, o Israel, verhüllt ist :nein Weg vor dem Ewigen und vor meinem Gotte geht mein Recht vorüber ... die auf Gott hoffen, bekommen immer frische Kraft, heben die Schwingen gleich dem Aar." Jeremijah, der Jerusalem in Trümmern rauchen sah, ruft voll Zuversicht: ״Mit dir bin ich, spricht der Herr, dich zu erlösen, wenn ich auch Vernichtung übe an allen Völkern, wohin ich dich zerstreut, an dir übe ich keine Vernichtung." Hatten etwa die späteren Mischnah- und Talmudlehrer eine andere Vorstellung von Israels Geschick und Bestimmung? Lasset mich von ihren vielen sinnreichen Gleichnissen nur eines euch erzählen, das uns im Namen Rabbi Jochanans überliefert wird. ״Ein König verlobte sich einst mit einer Jungfrau, die er ihrer herrlichen Eigenschaften wegen sehr schätzte und trat kurz darauf eine lange Reise an. Die Freundinnen und Nachbarinnen, die sie um ihr hohes Glück beneideten, begaben sich zur Braut und sagten schadenfroh zu ihr: ״ הניחך המלך ושוב אינו חוזר עליךDer König hat dich im Stich gelassen, er kehrt nie zu dir zurück." Die Braut, ob dieser Worte tief betrübt, beklagte weinend ihr Schicksal. Eines Tages holte sie aus einem verborgenen Schreine eine Schrift hervor, welche ihr der König zurückgelaffen und in welcher er ihr Krone und Reich zugesichert hatte. Nun war sie beruhigt und schöpfte neue Hoffnungen. Endlich kam der König zurück und fragte: ״wie hast du so lange auf mich warten können?" ״Herr", erwiderte die Jungftau, ״ich habe deiner Zusicherung in dieser Schrift vertraut." כך א״ה מרכין אח ישראל so sagen die Nationen höhnend zu Israel: ״Gott hat euch verlassen." Aber Israel holt aus der heil. Lade seine Thora hervor, liest darin die göttliche Verheißung von seiner großen Zukunft, und sein Muth richtet sich auf. Dereinst, wenn der Morgen der wahren Erlösung heraufdämmert, wird der Allmächtige ftagen: ״Kinder, wie habt Ihr mir so lange die Treue Israelitisches Predigt-Magazin. August, September 187s. 18 *