Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 9-10 (6.1875) Juni-Juli
- Date
- 1875-06-01
- Page
- Seite 232 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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232 mußte es sein Bewenden haben. Weltliche Lustbarkeit mußte ausgeschlossen bleiben im Hinblick darauf, daß die Gesahr durch Abtrünnige aus des Volkes eigener Mitte sreventlich heraufbeschworen worden. Diese Entarteten waren es, die einen Antiochus zum Schiedesrichter in Israels heiligsten Angelegenheiten gemacht, die einen Verächler des Gottes Israels veranlaßt hatten, zu bestimmen, wer im Heiligthume des wahrhaftigen Gottes Priester sein soll. So tief war man damals gesunken. Die Würden, nach denen gerade die Unwürdigsten ein Gelüste trugen, suchte man bei Antiochus zu erkaufen, so daß dieser gegen das verrathene Volk von Verachtung erfüllt wurde und sich berechtigt glaubte, gegen Leute, die in wahnwitziger Wu.h selber sich zerfleischten, Alles thun zu dürfen. Dies der Grund davon, daß die Chanuka-Feier so ernster Natur ist. Anders ist es bei Purina der Kall. Der Sieg, den dieses Fest verewigen soll, gleicht einem Kelch, gefüllt mit dem köstlichsten Wein, der ״Gott und Menschen erfreut", ohne Beimischung auch nur eines einzigen Wermutbstropsens. Der Feind kam von Außen, im Innern aber herrschte Eintracht und Harmonie. Aus den Berichten in: Buche Esther geht klar und deutlich hervor, daß die damaligen Juden im Persischen Reiche einerseits der daselbst herrschenden Cultur sich ebenbürtig gezeigt, andererseits aber an ihrer väterlichen Religion festgehalten haben. Nicht nur die jugendliche Esther, sondern auch der in reifem Mannesolter stehende Mordechaj wird für einen Perser gehalten, bis er selber als Juden sich bekannt hatte. (כי הניד להם אשר הוא יהודי). Mordechaj hatte also die persische Nationalbildung sich vollkommen angeeignet, ohne deshalb sein Indenthum feige zu verläugnen. Und das ist das Rechte und Richtige. Der Jude braucht zwar nicht sein religiöses Bekenntniß jedem Nichtjuden in die Ohren zu schreien; Religion ist eine Herzenssache, worüber mar: lediglich Gott und Gewissen Rechenschaft schuldig ist, — doch wo die Ehre Gottes und das Interesse der Religion es erheischen, da soll der Jude glaubensmuthig und glaubenssrendig seine Religion öffentlich bekennen. Haman selber, der erbittertste Feind der Juden, hat diesen — freilich unbewußt und wider Willen, — ein glänzendes Zeugniß ausgestellt. Er sagte zum König: ״Es existirt in Deinem Reiche ein einziges Volk, es ist zwar zerstreut und vertheilt, aber-dennoch einheitlich; leine religiösen Satzungen sind verschieden von denen aller andern Völker." In allen andern Dingen schließen sich die Juden dem Volke an, in dessen Mitte sie leben, — doch in Allem, was die Religion betrifft, nehmen sie einen ganz eigenthümlichen Stand-