Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 9-10 (6.1875) Juni-Juli
- Date
- 1875-06-01
- Page
- Seite 230 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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23V bedenklich hingeben. Denn in der Regel soll der Bekenner des Judenthums ein ernsthaftes Leben führen, zwar frei von Trübsinn und Traurigkeit, aber auch frei von Leichtsinn und Tändelei. Der Bekenner der Thora soll nicht lauter Festtage haben wollen.2) ״Alles ist schön zu seiner Zeit."') Anders jedoch mit Eintritt des Monats Adar, da ist die Freude an der Zeit, da fordern Natur und Religion zur Freude auf. Die Natur verjüngt sich, sie erwacht aus ihrem Winterschlaf, die Sonne rückt näher und näher, die Flur legt ihre bleiche Hülle ab und kleidet sich in liebliches Grün; hier und da erhebt auch schon ein duftendes Blümchen bescheiden sein Haupt. Die Ströme, von dem beengenden Eispanzer befreiet, ergießen sich in voller» Wogen und wallen dahin in erneueter Kraft und Frische. Selbst droben in der Luftregion beginnen die gefiederlen Sänger ihre melodische Stimme ertönen zu lassen. Mit einen: Wort: Alles athmet da neues Leben, frisches Dasein. Und des Menschen Brust allein sollte verschlossen, sollte unempfindlich bleiben? Unmöglich! ״Mit dem Eintritt des Monats Adar gibt man sich mehr und mehr der Freude hin." Das bedingt schon die Natur, mehr aber noch die Religion. Denn die Natur ist in der fraglichen Beziehung nicht zuverlässig, besonders in den nördlichen Klimaten; da hat sie gleichsam ihre Launen und Verstimmungen, wie ein wankelmüthiger Mensch, und es gehört nicht in das Bereich der Unmöglichkeit, daß mitten im Adar, anstatt lieblicher und erwärmender Sonnenstrahlen, amröstelndes Schneegestöber sieb einstellt. Nein unsere Adar-Freude stünde auf gar schwachen Füßen, wenn sie sich lediglich auf die wetterwendische Natur stützen müßte. Dem i|t aber glücklicher Weise nicht also; der Ausspruch: ״Mit Eintritt des Monats Adar gibt man sich mehr mib mehr der Freude hin" — hat vorherrschend eine religiöse Beziehung. Mit dem Monat Adar eröffnet sich eine Reihe bedeutungsvoller religiöser Feste, die zu Freude und Frohsinn aufjordern, und zwar aus Ursachen, die über die Natur und ihre Wandlungen, über Ort und Klima hocherbaben sind. Den Reigen eröffnet das Purim- Fest. Welcher Bekenner des Judenthums, der dem Glauben seiner Väter nicht völlig entfremdet ist, kann den Namen Purim aussprechen hören, ohne ein inneres Behagen zu fühlen? Wir haben das Purint-Fest seit einer Reihe von Jahren von seinen verschiedensten Seiten betrachtet; allein dieses Fest ist so be- כל ־ ימיו חגים♦(י הכל יפה בעתו♦ ו8