Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 9-10 (6.1875) Juni-Juli
- Date
- 1875-06-01
- Page
- Seite 208 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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208 austauchen, das der Prophet Amos so meisterhaft entwirft, von einem Manne, der im Walde vor dem Löwen entflieht, in seinem Rettungslaufe aber einem grimmigen Bären begegnet, und nachdem er sich auch diesem durch die Flucht in ein Haus zu entziehen gemußt, nun auch da, während er sich an die Wand lehnt, von einer gistschäumenden Schlange überrascht wird. — Gleichwohl hat Jsrael sich den glücklichsten Gefühlen der Rettung hingegeben. Es hat sein tiefbewegtes Gemüth in einem der schönsten Lieder ausgehaucht, an dessen kurzen stoßweisen Sätzen das gepreßte Schluchzen und die Freudenthränen des .ganzen Volkes im Scheine stimmungsvoller Wonne erglänzen. — Aber wenn ein Mensch auf offener See Schiffbruch erleidet, also, daß er von den Wogen umhergeschleudert wird, wird er nicht im Innersten seines Herzens aufjubeln, wenn es ihm gelingt, sich an ein schwimmendes Brett oder einen Balken zu klammern, ohne daß seine fieberhafte Erregung bei ihm den Gedanken auskommen ließe, daß diese Rettung nur eine scheinbare, daß sie nur ein verlängerter Kampf mit dem sicheren Untergang, daß das Ganze nur ein täuschender Sonnenblick, der das dichte Gewölk seines Geschickes nur zu durchbrechen scheint, um ihm die Nacht seines Mißgeschickes nur um so fühlbarer zu machen. Der theilnehmende Zuschauer aber am Strande des Meeres, er wird sich dieser Täuschung nicht hingeben. Er sieht wohl den Unglücklichen sich an das Brett klammern, aber er sieht auch schon im Geiste die Fluth und den Sturm mächtig heranbrausen, die ihn auf den Grund betten sollen. — Auch Israel hat in der Lage, in welcher es sich am Saume der Wüste befunden, einen theilnehmenden Zuschauer gehabt, und diesen, meine Andächtigen, wollen wir heute in seiner Begegnung mit dem Führer des Volkes näher kennen lernen. Jethro, ein Priester von Midjan, der Schwiegervater Mose's, hat, wie an der Spitze unseres Thoraabschnittes erzählt wird, ״gehört, was Gott der Herr Großes und Wunderbares für Israel gethan," und er fühlt sich bewogen, zu feinem Schwiegersöhne nach der Wüste zu reisen. Er wird da freundlich ausgenommen, und nachdem ihm Moscheh von der wunderbaren Rettung erzählt, drückt Jethro ihm und dem Volke seine Theilnahme an der glücklichen Wendung ihres Schicksals aus. Aber achten wir nun etwas genauer auf die Worte, die sie bei dieser Gelegenheit austauschen, so werden wir bald bei Moses und Jethro das Wiederspiel der Gefühlsverschiedenheit finden,