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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-06-01 · 9-10 (6.1875) Juni-Juli · p. Seite 204

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
9-10 (6.1875) Juni-Juli
Date
1875-06-01
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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204 der gottbegnadete Mann nimmer Halt vor״ großen Aufgaben aus peinlicher Sorge um sein Wohlergehen, er fürchtet nicht die wachsende Unruhe, den gesteigerten Kampf; wie das Meer, von unersättlichem Hunger getrieben, die Küste an sich reißt, so zieht der kraftvolle Mann unermüdlich stets neue Geschäfte in den Kreis seines Wirkens; es ist eine elementare Macht, die ihn vorwärts treibt; ein stilles Sichbegnügen, ein Dasein ohne weithin fördernde Wirkung ihm zuzumuthen, hieße den Strom, der hoheitsvoll sich mit dem Meere ver-׳ mählt, in den engen Brunnen sperren wollen, aus dessen Quell seine mächtige Fluth entsprang. Aber auch den großen Mann überkommt wohl die Sehnsucht nach dem Frieden, dem stillen beschaulichen Dasein; er will die Rüstung von sich legen und sich selber leben und den kleinen Herzensfreuden eines häuslichen Glückes; es ist ein Großes für den Sterblichen, Staaten zu lenken nach seinem Willen, Krieg und Frieden zu ordnen durch die Gewalt seines Wortes, zu wissen, daß Völker seinem Winke horchen; aber auch wer so Herrliches und fast Uebermenschliches erreicht hat, will den Erfolg nicht preisgeben, den die Liebe bietet, und das zärtliche Wort der Gattin, der Kinder herziger Zuruf dünken ihm köstlicher, denn der brausende Beifall von Millionen. Wer weithin als Herrscher verehrt wird, erträgt es oft freudig, einem Weibe zu dienen, und für eine Weil vergißt er im stillen Glück des Hauses die Erfolge und die Ehren der Welt. Auch der Ocean wogt und braust nicht immer; auch er glättet seine Fluth zuweilen zur klaren, ebenen Fläche, über ihm dehnt sich der blaue, wolkenlose Aether, die schärfere Sonne bricht sich in zahllosen Strahlen und tiefer und deutlicher schauen wir in das Herz des Meeres, fast wähnend, wir könnten ihm auf den Grund blicken; und feierlicher noch und erhabener denn der Anblick des bewegten Meeres stimmt uns die Ausschau auf die stille, unübersehbare Fluth, die in ihrem ruhigen Gleichmaß an die hoheitsvolle Würde der Gottheit selbst 1ms zu mahnen scheint. So dünkt uns auch der große Mann besonders der Verehrung werth, wenn sein Dasein neben Bildern des Kampfes uns auch Bilder des Friedens darstellt, wenn er neben dem Staate auch dem Haufe angehört, wenn er, die Sonne der Nationen, es nicht verschmäht, das milde Licht der Familie zu sein, wenn er zu dem Ruhme, der Vater eines Volkes zu heißen auch den andern einfacher» hinzugesellt, ein treuer und sorg samer Vater seiner Kinder zu sein. Es ist nicht eitle Neugier, wenn wir dem Denker, dem Helden, dem Dichter und Propheten nachspüren, ob er Liebe hegte zu den Seinen, zu Gattin und Kind, zu Bruder und Schwester, sondern das richtige Gefühl, daß die

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