Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 7-8 (4.1875)
- Date
- 1875-04-01
- Page
- Seite 190 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Du unfern Vorfahren erwiesen, gedenken wir heut des in Dir ruhenden Vaters seiner jetzt regierenden Majestät, des Königs Friedrich Wilhelms III., der zuerst der entstehenden israelitischen Gemeinde dieser Stadt huldreich die Ermächtigung gewährt hat, diese Stätte zu erwerben und ein Gotteshaus zu erbauen. Wir gedenken ebenso der Seelen aller der Männsr und Frauen, die einst unsre Gemeinde gegründet, hier unser erstes Bethaus errichtet haben, willig Dir weihend die Gabe ihrer Hand. Laß sie ruhen in Deinem Schatten, Wonne finden bei Dir und ihr Gedächtniß zum Segen fortdauern in unsrer Mitte. Und nun wendet sich unser Herz wieder den Lebenden zu. Sei mit Allen, die im Rath und in der Verwaltung unserm Könige zur Seite stehen, erleuchte seine Diener, daß unter ihrer Hand alles Gute im Lande gedeihe, daß Licht und Wissenschaft, Fleiß und Bürgerglück, Tugend und Gottesfurcht sich ausbreiten mögen. Segne die Väter und Vertreter dieser Stadt, halte fern von ihr und dem ganzen Lande jedes Verderben und Weh, Noch, Mangel und Seuchen, laß uns in deinem Schirme wohnen, damit Niemand uns schrecke. Segne die Angehörigen unsrer Gemeinde, Männer und Frauen, Alter und Jugend, segne ihre Vorsteher und Leiter, die Stifter und Verwalter unsrer wohlthätigen Anstalten und Vereine. Laß Deiner Gnade alle diejenigen empfohlen sein, die an dem Bau dieses Hauses und für denselben thätig und bemüht gewesen sind mit ihrem Geiste, mit ihrer Hand, die das Werk berathen, gefördert, begonnen, vollendet, geschmückt haben. Mögen sie Alle reichen Lohn finden in der Freude an ihrem Werke, in dem Gedeihen ihrer Unternehmungen; nimm insbesondere die Bauleute in Deine gnädige Obhut bei ihrem oft gesahrbringenden Berufe, wie Du bei der Errichtung dieses Hauses sie beschirmt Haft. Und so beten wir mit Salomos Worten: ״Es mögen Deine Augen offen sein über diesem Hause Tag und Nacht" — schirm es vor Verunehrung und Verwüstung — ״und höre auf das Flehen Deiner Diener, die da beten werden an diesem Ort^)." Laß uns nicht leer erscheinen vor Deinem Angesicht, nicht leer zurückkehren von Dir. Wer arm hierher kommt, arm an Glauben, arm an Vertrauen, an Hoffnung und an Liebe — laß ihn reich von hinnen gehen, reich an diesen Gütern des Geistes. Wer beladen und gebeugt hierher kommt, in Kummer, Harm und Sorge, laß ihn sein Herz 1 ף. Kön. 8, 29—30.