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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-04-01 · 7-8 (4.1875) · p. Seite 184

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
7-8 (4.1875)
Date
1875-04-01
Page
Seite 184 (sequence 28)
Language
German
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184 Gemeinde, Volk und Staat, so finde ich hier den Uebergang zu dem andern Theile unsrer Betrachtung, dem Frieden, der vom Gottes- Hause ausgehen soll für die Gesammtheit. Lernen wir hier zunächst das Familienleben heilig halten und stets neu heiligen. Laßt mich nur Eins erwähnen. Wenn wir hier in geweiheten Stunden abgeschiedener Lieben gedenken, soll uns das nicht eine gewaltige Mahnung sein, mit den Lebenden Frieden zu wahren, Eintracht zu pflegen, Unfrieden zu tilgen zwischen den Blutsverwandten und Befreundeten? Wenn jene Pforte da sich am Sabbath-Eingang öffnen wird, um Leidtragende eintreten zu lassen — (wer kann sagen: wann? wer kann künden: für wen zuerst?) soll erst dann der V e rlust empfunden und nicht im Leben der Besitz gewürdigt werden? Darf das Band, welches Ehegatten, Eltern, Kinder, Brüder, Schwestern, Freunde an einander knüpft, frevelhaft gelockert werden? Und wer jenen altehrwürdigen Brauch verschmäht, was hat der gewonnen!? Denn das ist wahrlich nicht der rechte Friede, der Friede, den das Gotteshaus bringen will, wenn der Mensch spricht: ״Frieden werde ich haben, wenn ich in meines Herzens Härte wandte." 2 3) So soll denn von dem Gotteshause und von der in ihm verkündeten Lehre' der Frieden ausgehen für die große Menschheit-Familie. Soll er sich etwa erbauen aus der Menschen Satzung, Gebot, Verbot, Strafgesetz? Worauf aber sollte denn dieses sich stützen? soll nur das Schwert der Gewalt den Gehorsam erzwingen, den Frieden im Lande schützen? Sollen wir den Frieden schöpfen aus den Lehren der Natur? Ach der Frieden der Natur gehört in das Reich dichterischer Träume. In der Wirklichkeit der Natur herrscht ewiger Kampf; Selbsterhaltung, Selbstliebe, Selbstsucht ist ihr oberstes Gesetz. Und die Thoren, die aus den Blüthen und Früchten der wahren Naturforschung den Taumelkelch des Wahnes bereiten, wollen uns gar lehren, daß der Mensch in den Wegen der rohen Natürlichkeit und Thierheit wandeln, den Kampf, die Ueberwältigung und Verdrängung Schwächerer zu seinem Strebensziele machen solle. — Da wird denn hier verkündet das Wort von des Menschen Vorzug, Würde, Gottebenbildlichkeit; da vernehmen wir hier den dritten Grund- und Hauptsatz unsrer Lehre, den wir am nächsten Sabbath, dem ersten in diesem Gotteshause, lesen werden: ״ ואהבת לרעך כמוךDu sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst^)." Und damit wir wissen, wer unser Nächster sei, damit wir nicht willkürlich Schran- 2) 5. Mos. 29, 18. 3 ף. Mos. 19, 18.

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