Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 7-8 (4.1875)
- Date
- 1875-04-01
- Page
- Seite 180 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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180 Heimnisse verbiete. ״Erkenne den Gott deines Vaters", heißt es?) Unsere Alten 9) erzählen uns von vier Jüngern, hochstrebenden Geistern, die ״tu den Garten gingen", wie das Gleichniß sagt, d. h. die sich anschickten, das unendliche Gebiet des Denkens und Forschens kühn zu durchmessen. Der Erste schaute und starb, das Gesäß des Leibes war zu schwach für den Geist; der Zweite schaute, und sein Geist ward umnachtet; der Dritte ״zerstörte die Pflanzungen", d. h. er verfiel in Gottlosigkeit und Unsittlichkeit; der Vierte, Rabbi Akiba, fand aus den Jrrgängen der Forschung den rechten Ausweg. Der Ersten Beispiel soll uns warnen, allerdings; der Vierte wird jedoch hochgepriesen, aber nicht darum, weil er nicht gesorscht. Doch, wie dem sei, unsre Zeit ist einmal eine Zeit des Prü- . sens und Sichtens, des Zweiselns an dem Ueberlieserten und auf Treue und Glauben Angenommenen. Nicht daß Alle denken, selbst denken; aber sie sprechen die Läugnung nach und nehmen die v e rneinenden Ergebnisse auf Glauben hin. Und doch ist der Forschung überall ein Ziel gesetzt; bis an der Gründe letzten Grund, bis an der Kette der Ursachen und Verschlingungen letztes Glied dringt Keiner vor, und am wenigsten werden Seelenruhe und Frieden auf diesem Wege gesunden. Der Geist verliert sich in der grenzenlosen Ausdehnung, in der unübersehbaren Mannigfaltigkeit; er verliert sich selbst, er findet nimmer seinen Gott. Die Völker des Alterthums suchten — und fanden eine lange Reihe von Göttern, vor denen sie anbetend niedersanken; der Eine, der den Einen gesunden, mußte den Todesbecher trinken. Die Gegenwart sucht den Geist und findet ihn nicht im Bereiche des Sinnensälligen, nicht auf dem Wege des Messens und Zerlegens, darum läugnen« ihn Viele, oder sie glauben einen Al lg ei st zu finden, der aber nimmer ver Gott ist zu dem das menichliche Ich in Beziehung treten, den es üeben, verehren, anbeten kann. Und o mögen Denker versuchen, an Stelle des alten Glaubens einen neuen zu ergründen und — was unendlich wichtiger ist — an Stelle der alten Säulen, auf denen die sittliche Ordnung in der Menschenwelt sich bisher erbaut hat, neue aufzurichten. Gehörst Du, mein Bruder, zu diesen Selbstherrschern auf dem Gebiete des Geistes, rechnest Du Dich zu ihnen, so rechte ich nicht mit Dir. Auch mit denen nicht, die auf einem Dornenbette von Zweifeln ruhig schlafen, wohl aber mit denen, welche das Höhere verwerfen, weil sie nur dem Niedrigen, dem Genuß und dem Erwerb, leben wollen; und >) 1. Chron. 28, 9. — 9) Talm. Chag. 14.