Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 7-8 (4.1875)
- Date
- 1875-04-01
- Page
- Seite 169 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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stand, den ich behandeln will, genügend eingeleitet; er gehört zu denen, die — ich darf die Anerkennung nicht zurückhalten nach Erfahrungen, die ich früher gemacht, trotz ihres vorwiegend didactifchen, lehrhaften Inhalts stets noch dieselbe Aufmerksamkeit, dasselbe Interesse bei Euch erweckt, wie Betrachtungen, die mehr an das Gemüth sich wenden. Es Handel: sich heut um ein bedeutsames Moment, um eine Frage, über die jeder Israelit sich völlig klar fein sollte; und daß ich dem Peßachseste nichts vergebe, daß ich seiner nicht vergessen, das soll sich bald deutlich Herausstellen. Einer der größten Gelehrten unseres Jahrhunderts, (Max Müller), hat jüngst einen Vortrag gehalten in der größten Stadt der Welt und darin die Behauptung aufgestellt: ״das Judenthum müsse zu Grunde gehen, es stehe, so zu sagen, auf dem Aussterbeetat, es friste nur ein künstliches Dasein"; und als Grund für diese feine auffallende, der Wirklichkeit wenig entsprechende Meinung gab er an: ״Eine Religion, die wie die jüdische keine erobernde Tendenz habe, eine Religion, die nicht auf ihre Ausbreitung und Verbreitung bedacht sei, die keine p r o p a g a n d i st i s ch e n Anstalten und Einrichtungen besitzt, die habe keine Zukunft. Warum aber hat das Judenthum keinen Verein zur Ausbreitung des Judenthums unter den Rickujudeu? Warum keine Missionsanßalten, warum schickt es keine Sendboten aus, um seiner Lehre die Seelen zu gewinnen, wie das ja von der Toch erreligiou geschieht? Darauf antwortete der Redner: weil es zu stolz, zu exclusiv gesinnt sei, um Fremden seine Pforten zu öftnen. — Daß;olche Rede, gehalten von eineni solchen Manne, viel voll sich reden nlachte mib hüben und drüben noch reden machen wird, sieht Jeder ein; unsere Pflicht nun ist es — denn wie leicht könnell bei beiu heutigen Stande des jüdifchell Wissens in unseren eigenen Reihen durch solche Aeußerungen Verirrungen und Trübungen des Urrheils allgerichtet werden — auf die Sache einzugehen, klar und wahr der Rede nachzugehen in allen ihren Theilen. Zwei Punkte sind's, die erörtert werden müssen. Zuerst: Hat das Judenthum keine erobernde Tendenz? Mit anderen Worten: Will und wünscht es nicht von aller Welt geglaubt mld angenommen zu werden, und wenn es das will, warum enthält es sich — dies ist die zweite Frage — aller und jeder Versuche, diese Annahme seiner Lehre seitens der Welt zu bewirken? Darauf gibt unser Fest die bündigfte Antwort in den Vorschriften, die vom Peßachmahle gelten. Wir brauchen sie nur in ihrer ganzen Tiefe aufzufassen, um den Ungrund, das Hohle und Leere aller angeführten Behauptungen zu erkennen.