Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 6 (3.1975)
- Date
- 1975-03-01
- Page
- Seite 154 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Dieses Jahr hier — künftiges Jahr im heiligen Kucke. Ueßachpredigt von Bezirksrabbiner Dr. M. Silberstein in Mühringen. Meine and. Zuhörer! Es giebt ein Gefühl, so süß, so wonnig, so hold und lieblich, daß Niemand sein entbehren, Niemand auf es verzichten möchte. Der Arme, den das Schicksal auf's Grausamste verfolget und quälet, er bewahret es sich wie ein unveräußerliches Heiligthum in dem innersten Schreine seines Herzens und wahret und wartet sein als des Lebens köstlichstes Gut. Gleich einem wunderbar strahlenden Lichte erhellet es ihm seines Jnllern finstere Nacht, und so lange es leuchtet lieblich und freundlich, ist der Arme noch nicht ganz unglücklich, ist seine innere Kraft noch nicht gebrochen. Aber wehe dem, in dessen Innern es erloschen: finstere Nacht umgiebt ihn, und keine freundliche Hand strecket sich ihm liebreich entgegen, aus des Lebens Wirrniß und Enge zu sicherem Ziele ihn zu geleiten. Soll ich dies Gefühl Euch nennen, meine Freunde? Es ist die Hoffnung. Wenn die Nacht mit ihren dunklen Schatten heraufziehet, dann winket sie uns freundlich tröstend: ״Es giebt einen Morgen, licht und schön." — Wenn ein Leben sich von uns wendet, das unserem Herzen theuer ist, dann flüstert sie uns am Grabe zu: ״Es giebt ein Wiedersehen." — Wenn des Geschickes Stürme sich über uns entladen, und was in Jahre langer Arbeit wir errungen, grausam uns zerstöret wird, dann raunet sie uns zu: ״Nach dem Sturme werden der Sonne Strahlen Dich wiederum erwärmen." Doch wehe dem, den der liebliche Engel — die Hoffnung — nicht mehr durch's Erdenleben geleitet: schütz-, Waffen-, schirmlos steht er dem Leben gegenüber, unerbittlich wird er hinausgestoßen aus dem Paradiese seines Daseins. Meine Freunde! Das Fest, das wiederum bei uns ist eingekehret, ist ein Fest — der Hoffnung geweiht, ja, ist uns ein heiliger Zeuge, daß Hoffnung nicht zu Schanden wird. Wenn Alles draußen erstarret, und die Natur, erstorben, sich in ihr Leichentuch gehüllet hat, dann flüstert uns die Hoffnung zu: ״Nur kurze Zeit, und zu neuem Leben wird die Natur erwachen." Ja, als ein heiliger Zeuge stellet sich das Peßach gleichsam vor uns hin, daß Gott, der die Hoffnung in uns gepflanzet, uns