Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 6 (3.1975)
- Date
- 1975-03-01
- Page
- Seite 144 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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144 tige Frucht — sie vergiftet das Leben der Einzelnen, das Leben der Gesammtheit! Wahret Euch, daß das fressende Feuer des Unfriedens und der Zerrüttung, der Schadenfreude und des Eigennutzes, der Verläumdung und der Schmachreden nicht Umstürze manches festbegründete Haus! Empor aus der Schuld, die der Zunge entstammt, m. Th., soll uns reißen des Bechers Erheben! Mit der Zunge rufen wir zum Ewigen — geweihet ist sie Gott — drum bleibe ihr fern alles Schändende, alles Erniedrigende! Deshalb erheben wir auch den zweiten Becher während der Erzählung vom Auszuge aus Egypten, darin wir anerkennen, wie nichtig ist unsere Kraft, wie erhaben ist Gottes Macht, darin wir Gehorsam verheißen den Gesetzen des Ewigen — auf daß wir uns einprägen, wie wir nur dann würdig werden, anzurufen den Ewigen, wenn wir den Ahnen gleich ״nicht wechseln unsere Sprache", sondern wahren unsre Zunge — mit ihrer Hilfe erstreben Frieden rings um uns her! III. ״ שלא שנו את דתם ושלא שנו את מנשיהםDaß Israel nicht gewandelt fein Gesetz und auch nicht fein Gewand", das zählen unsere Lehrer als dritte und vierte Ursache der Besreiung auf! M. A.! schon die eigenthümliche Aufeinanderfolge, die es unmöglich macht, eine auf- oder absteigende Stufenfolge anzunehmen, weiset mit zwingender Nothwendigkeit darauf hin, daß hier das Wechseln der Kleidung nur eine bildliche Redewendung ist. Wohl, daß sie das Gesetz unwandelbar gewahret, natürlich das Sittengesetz, wie es ihnen von Abraham her überliefert worden ist — denn ein anderes Gesetz kannten sie ja noch nicht — ist ein triftiger Beweis für ihren lautern Sinn und daher ein Grund für die Befreiung! Aber, daß ihre Kleider sie nicht geändert haben? Wos hat die Religion damit zu thun? Doch nicht von ״Bekleidung" im gewöhnlichen Sinne spricht der Weisen Satz. ״Sie haben ihr Gesetz und ihr Kleid nicht geändert" ist ein zweigegliedertes Ganze. Und so geben nnsere Lehrer uns auch nur einen Sinnspruch für den dritten und vierten Becher — unser Texteswort — כום ישועות אשא den Becher der ״gedoppelten Hilfe", des ״zwiefachen Heiles" erhebe ick! Israel, wollen sie sagen, hatte stets das Sittengesetz bewahret, indem es zugleich die Umkleidung und Umhüllung desselben, seine Formen unverändert festhielt, in denen schon von den Vorfahren es geübet worden ist! Solches unverrückte Feststehen auf dem geheiligten Boden, die ehrfurchtsvolle