Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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V. Worte der Trauer gesprochen an der Bahre des Obcrrabbincrs und Scminardircctors Di‘. Zacharias Krankel in der Seminarsynagoge am 16. Februar 1875 von Rabbiner Di׳. Adolf Schwarz. ״ הילל ברוש כי נפל ארזWehklage Cppresse, denn gefallen ist die Zeder! קרל יללה הרכיב Wehklage der Hirten, Wehgeschrei junger Leuen erschallt, denn gesunken ist ihre Pracht, dahin ist ihre Herrlichkeit!" — ״ יתומים היינו ואין אבWaisen sind wir geworden, wir haben keinen Vater mehr", und unsere Mutter — die heilige Thora —, sie hat, ach viel zu früh! ihr Wittwenkleid angelegt. Sehet Ihr nicht, wie sie an dieser Bahre hier mit verhülltenl Angesicht die Hände ringt? Höret Ihr die Donnerstimme nicht, mit welcher sie uliserer Anstalt das Prophetenwort zurust: בה כמי חגרי שק והתפלשי באפר אבל יחיד כשי לך מבפה המרורים ״ כי פתאום יבא השודד כלינוMeines Volkes Tochter gürte Sack um, lege dich in Asche, traure um den Einzigen, stelle an bittere Klage, denn plötzlich kam Verwüstung über uns?" Finsterniß bedeckt die Erde, in Trauer gehüllt ist unser Himmel, Engel jammern laut, und Friedensboten weinen bitterlich, denn unsere leuchtende Sonne hat ihre Bahn vollendet, der Hohepriester unseres Tempels ist zu seinen Vätern heimgegangen, Zacharias Frankel hat seine Augen für immer geschlossen. Und so manches Jahrhundert wird sein Auge schließen, bevor wieder ein Stern solchen Ranges an unserem Horizonte aufgehen wird; es müßte ja wieder erst finster, es müßte ja wieder Nacht werden in der talmudischen, in der jüdischen Wissenschaft, wenn ein zweiter Frankel die Morgenröthe heraufführen soll. Nein! der Tag, welcher mit unserem Meister begönnen, er wird, er muß von langer, langer Dauer sein; das Licht,