Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-01-01 · 4-5 (1.1875) Januar-Februar · p. Seite 104

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
4-5 (1.1875) Januar-Februar
Date
1875-01-01
Page
Seite 104 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616701-9619452-9619556--0123-9619574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

104 Thauperlenschmuck zieren die göttliche Huld und Gnade, weil eben Israel nicht mehr fest wurzelt im Boden der jüdischen Lehre wie die Zeder am Libanon." — Ja! dies sind die Stimmen der mit dem Judenthume der Jetztzeit grollenden Gewitzen, ihnen scheint die Blüthenzeit des Judenthums vorüber und dessen religiöse Wurzel gelockert zu sein, und wie die Gegenwart ihnen als eine Zeit des Glaubens nimmermehr erscheinen will, so haben sie auch den Glauben an die gegenwärtige Zeit verloren und rufen ״Ach" und ״Weh" über diese glaubenslose Zeit. Wir aber, als Söhne dieser neuen Zeit, glauben das Morgenroth der Ersüllung der göttlichen Verheißung schon angebrochen, unb getragen von diesem Geiste des Vertrauens und der Zuversicht, will ich es versuchen die beiden Fragen zu beantworten: I. Kann auch die Gegenwart eine Zeit festen, religiösen, unerschütterlichen Glaubens sein? II. Welchergestalt muß der Glaube der Zeit dem Glauben der Gegenwart sich manifestiren, aus daß er allgemein anerkannt und gewürdiget werde? Zur richtigen Erörterung dieser Fragen erleuchte mich o Herr, Amen! I. Aus dem schlichten Rahmen der Parascha sowohl, als auch aus dem bunten, duftigen Bilderschatze der heutigen Hastara tritt uns das Ahnenbild Jakob^s lebhaft vor die Seele; und als sollten wir laut gemahnt daran werden, dies hehre Ahnenbild festzuhalten und uns im Anschauen desselben zu versenken, bemerkt der Midrasch zu den Eingangsworten der Haftara: אמד לו הנביא לישראל ״ דוגמא שלכם דומה ליעקב (ילקוט שם)es spricht der Prophet zu Israel, suche dein eigenes Bild in Jakob;" so wollen wir denn in diesem Augenblicke ihn uns vergegenwärtigen, den Flüchtling Jakob, wie er pilgernd feine Straße zieht, wie er für das müde Haupt das harte Kissen sich zurecht macht, כי בא ״ השמשdenn die Sonne war untergegangen;" ja! ihm,, dem die Sonne seines Judenglückes, die Sonne feiner häuslichen Freuden so frühe war untergegangen, ging auch jetzt die Sonne zu frühe unter. ״ שלא בעונההzur Unzeit" sagt der Midrasch — entschwand ihm das goldige Sonnenlicht, und dunkel wie die Abendschatten sich über sein Haupt herniedersenkten, mag auch der Gram seine schwarzen Schatten ihm ins Herz geworfen haben, scheint doch selbst das glänzende Sonnenlicht, das über fremden Boden ausge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.