Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9619452-9619556--0116-9619567- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
S7 L Die Stimme Jakobs ist die Gotteslehre. Aber kann ich diese Lehre, die Himmel und Erde umfaßt, Diesseits und Jenseits, des Menschen Geist und Gemüth, Denken, Reden und Thun in allen ihren Beziehungen, — kann ich sie aussprechen in dem engen Raum einer Viertelstunde? Doch es gilt ja nicht der Lehre ganzen Umfang, es gilt Jakobs Stimme; seinem Ruf, feinem Losungswort, seinem Feldgefchrei würde ich sagen, wenn das kriegerische Bild hier paßte. Und nun, m. a. Z., wer von euch kennt nicht dieses Losungswort! ״Kennt ihr's nicht, habt ihr's :licht gehört, ist's nicht von Anbeginn euch kund gethan?" (Jes. 40, 21) Es ist der Spruch, den, nach dem Midrasch, die Söhne Jakobs dem sterbenden Vater zuriefen, als er sie an fein Lager entbot, um sie zu segnen, als der bange Zweifel in ihm aufstieg, ob wohl auch unter seinen Kindern, wie unter denen seilles Vaters und Großvaters Einer sein möchte, der nicht Willens oder nicht würdig wäre, Träger und Begründer des Gottesreiches, Verkünder des Gotteswortes zu sein, — da riefen sie einmüthig: ״Höre Du, Israel, unser Vater, so wie in Deinem Herzen nur der Eine wohnt, so erfüllt auch unser Herz nur der Eine!" 1:1 ׳כשם שאין בלבבך אלא אחד und Jakob neigte sein Haupt und sprach: ״ בשכ״מלוGelobt sei der Name seiner herrlichen Regierung immer unb ewig!" ״ ד א' ד׳ אחדDer Ewige ist einzig!" — das ist Jakobs Ruf, im Lebe:!, im Sterben, sein Freudenjauchzen, sein Angstrus, sein Schmerzensschrei. Mit diesem Worte von dem Einen Gotte ist Israel in die Welt getreten, in eine Welt voll Finsterniß und Geistesnacht; Licht ward^s, doch das Licht wurde nicht beachtet, die Stimme nicht gehört. Mit diesem Ruse zog Israel in das verheißene Land, wohnend zwischen übermächtigen Völkern, und ihr Stürmen und Tosen zerschellte all dem Felsenhckrte dieses Wortes; doch die Stimme verhallte in dem wilden Gebrause, das Licht zerstreute nicht das Gewölk. Mit dieser Lehre im Herzen und im Munde ward Israel zerstreut unter die Natiollen, zu denen endlich ein Schimmer des Lichtes gedrungen, und die von Ferne jenen Ruf vernommen; aber des Wortes Verkünder und der reinen, einen, ganzen Wahrheit Hüter — sie ließ man statt warmen, dankenden Händedruckes die ״Hand Esau's" fühlen. Dieser Ruf ist Jakobs Wort noch heut und wird es bleiben in Ewigkeit. Nicht dunkle, unergründliche Geheimnisse sind es, die wir der Welt zu verkünden haben, nicht eine Lehre, die die Menschheit in Zwietracht stürzt ob ihrer Auslegung, daß sie um Wortgezänkes willen sich spalten, und die Gläubigen sich in feindliche Lager Israelitisches Predigt-Magazin. Januar u. Februar 1875. 7