Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 3 (12.1874)
- Date
- 1874-12-01
- Page
- Seite 87 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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87 Beziehung zu den Hauptaufgaben der vereinten Gemeinden. (S. 13 hat sich bei der Uebersetzung der Stelle aus dem lal-Gebete ein sinnentstellender Druckfehler eingeschlichen: Fülle mit Deinem Than unsere (nicht: Deine) Speicher; in der ״Abschiedspredigt" S. 4. Z. 7 v. o. muß es ״unser" statt: ״uns" heißen.) Die zweite Predigt ist am achten Festtage zur Todtenfeier gehalten und behaubeit die jüdische Unsterblichkeitslehre in ihrem erhebenden Gegensätze zur ägyptischen, — am Peßachseste recht geeignet, auch gut durchgeführt. S. 17 Z. 12 ist das Bild von der im Auge sich abspiegelnden Mutterliebe falsch ausgedrückt; sonst ist die Sprache dem Inhalt und der Stimmung stets angemessen. Herr N. hat in dieser Beziehung unstreitig bedeutende Fortschritte gemacht. Die sub 3 artgezeigte Antrittspredigt des Herrn Rabbiner Di־. Silberstein zeigt uns einen bewährten Redner, der aus dem Vollen schöpft und mit großem Geschick die au eine Antrittspredigt zu stellende Aufgabe löst. ״Auf die Warte will ich steigen! Als eines Wächters Amt erscheinet mir Amt und Berus des geistlichen Lehrers, der mit offenem, klarem, verständnißvollem Auge rückwärts auf die Vergangenheit zu schauen, doch den Blick nicht minder auch der lebensvollen Gegenwart zuzuwenden habe, daneben aber der Zukunft nicht vergessen dürfe." Diese dreifache Wächterausgäbe des jüd. Seelsorgers zeichnet Hr. Dr. S. in scharfen Umrissen; anlehnend an Aboth 1, 2., hebt er in drei Theilen besonders das unverrückbare Festhalten an Israels Lehre, die Fürsorge für den öffentlichen Gottesdienst, und das Heranbilden der Fugend zu heiligen Gefäßen der Menschenliebe, zu Trägern und Bürgen für die Zukunft Israels und der Menschheit,hervor. Die Sprache ist edel und begeisternd. Wälder's Einweihungspredigt (Nr. 4) nimmt den über der Eingangsthür des Ulmer Tempels eingemeißelten Vers aus Jes. 56, 7: '3כי ביתי בית תפלה ו zum Texte und entwickelt in Kürze die Bestimmung des jüd. Gotteshauses. Erstens: Gott nennt es ״mein Haus", zweitens: es soll sein ״ein Haus des Gebetes", und drittens: ״ein Bethaus für alle Völker." Sind auch die Gedanken nicht neu, so sind sie doch schön gruppirt und treffend dargestellt. Zu Anfang begegnen wir jedoch einem alten, von vielen Predigern bei freudigen Gedenktagen fälschlich angewandten Vers aus den Klageliedern Jeremias 2, 16, der ja ein Ausdruck der feindlichsten Schadenfreude ist, und für einen Bibelkenner unmöglich ״ein Wonnegefühl ohne Gleichen" bezeichnen fann,*) und gegen Ende (S. 9) die allerdings etwas neue Behauptung, Hillel habe den Inbegriff der menschheitlichen Pflichten in zwei *) Obige Anwendung erinnert uns an einen jüd. Prediger, der in einer Leichenrede von dem unerforschlichen Rathschlusse Gottes redend, die erste Hälfte des Psalmverses זה היום עשה י״י als Beleg citirte, nicht daran denkend, daß der Zuhörer unwillkürlich den andern Halbvers in Gedanken ergänzt.