Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 3 (12.1874)
- Date
- 1874-12-01
- Page
- Seite 78 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Ham nicht denselben Weg eingeschlagen? Nun, tu. Fr., wenn er es nicht gethan, wenn er vielmehr vorgezogen, sich eine Heimath zu gründen, seines Hauses zu wallen und die Menschen abzuwarten, statt sie aufzusuchen: so hat er damit offenbar zeigen wollen, daß er seine eigne Weise habe, seinen Lehrberuf auszuüben und die Wahrheit zu vertreten. Diese Art und Weise ist denn in der That auch das geistige Erbe ״ למען אשר יצוה את בניוdas uns Abraham hinterlassen." Sie aber zu erkennen und zu sehen, mit welchen Mitteln sie auszuführen sei, das wollen wir an der Hand der Eingangsworte unsers Wochenabschnitts versuchen. I. Um die Art und Weise zu erkennen, wie Abraham seinen Lehrberuf ausübte, unb um die Gründe einzusehn, weshalb er ihn so ausübte, dazu bedarf es eben keines tiefen Nachdenkens. Wie alles Gute und Wahre immer höchst einfach und nicht verwickelt ist, so liegt auch die Lehrmethode Abrahams so auf der Hand, daß Ihr sie bei jedem verständigen Lehrer wiedersindet. Bei einem solchen könnt Ihr sehn, daß er die Dinge, worüber er seine Schüler unterweisen will, nicht bloß mit Worten beschreibt, sondern nach Möglichkeit zur Anschauung bringt. Er zeigt dein Kinde die Pflanze, oder das Gestein, oder das Geräth, oder was es sonst kennen lernen soll; denn die beste Beschreibung, die eingehendste Schilderung würde dem Kinde nicht einen so leichten und deutlichen Begriff davon verschaffen, wie die eigene Anschauung. Nun denn — diesen Anschauungsunterricht betrieb auch Abraham. Je älter er wurde, je reicher die Erfahrungen sich anhäuften, die er auf seinen ehemaligeil Wanderungeil oder — wenn Ihr wollt — Bekehrnngsreisen gesammelt hatte, desto öfter mochte er sich sagen: Was nützt es, wenn ich die Menscheil in ihren Wohnsitzen aufsuche unb ihnen die Wahrheit von dem Einen Gotte und seiner heilsanlen Lehre predige? Sie können mich ja nicht verstehn, sie können ja die Wirkung und das Glück ilicht wahrnehmen, womit dieser Glaube den Menschen beschenkt. Darum — so mochte sich Abraham weiter sagen — werde ich mir ein Haus gründen, und an dem Familienleben, das sich da entfaltet, an der Innigkeit und Wärme, die sich da ausbreitell, daran sollen sie dann mit eignen Augen sehen, was es heißt: an Gott glaubell und seine Lehre befolgen. — Und es kann keine Frage sein — der Abraham, der da am Eingänge seines Zeltes saß und den Frenldling abwartete, der war gewiß in größerem Maße מנייר נרים, der gewann dem einzigen Gott treuere Anhänger, als wenn er weite Reisen gemacht hätte und den Menschen mit seinem Be-