Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 3 (12.1874)
- Date
- 1874-12-01
- Page
- Seite 77 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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m. Predigt zum Abschnitt Wajera. Von Rabbiner vr. M. Güdemann in Wien. Die heilige Schrift entwirft uns in dem heutigen Wochenabfchnitt ein sehr gemüthliches Bild von dem häuslichen Leben Abraham's. ״Der Ewige erschien dem Abraham im Haine Mamre, er aber faß am Eingang des Zeltes bei der Gluthzeit des Tages." Aus dem Rahmen dieses Satzes und der weitern Schilderung tritt uns das Bild eines schlichten bieberu Landwirths entgegen. Wir sehen, wie Abraham seinen Acker bestellt, wie er sich um den Stand seiner Felder und Heerden bekümmert, wie er jetzt über Mittag ein wenig in dem kühlen Vorhause ausruht und wie er mit ländlicher Gaftsreundschast die Fremdlinge empfängt, die bei ihm einkehren. Aber so anmuthig dieses ländliche Bild auch ist — kaum können wi׳ uns doch den Mann so vorstellen, von dem der Prophet sagt: ״ אחד היה אברהםEinzig und ohne Gleichen ist Abraham." Es wird uns schwer, uns in diesem Bilde eines schlichten Hausvaters den Abraham zu denken, der die Wahrheit voll dem Einig-Einzigen ergründet hat, und es wird uns noch schwerer, uns so den Abra- Ham zu denken, der diese Wahrheit nicht blos erkannt, sondern sie auch verbreitet hat, der da die Menschen ״ מכנים תחת כנפי השב ינהunter die Fittige Gottes versammelt hat." Kann man denn das überhaupt, wenn man so genrüthlich aus seiner Hufe sitzt und keinen andern Verkehr mit den Menschen pflegt, als daß man ab und zu einmal einen Wanderer gastlich bei sich aufnimmt? Wir sollten meinen, wenn man die Wahrheit predigen 'will, dann darf man nicht zu Hause bleiben und die Fremdlinge abwarten, die etwa vorübergehn, sondern man muß sie aussuchen, wie wir es bei Anderen sehen, die den gleichen Berus fühlen oder doch zu fühlen vorgeben. Die unternehmen weite Reisen, setzen sich großen Gefahren aus und bringen unermeßliche Opfer, um selbst an den Enden der Erde Menschen zu ihren Lehren und Meinungen zu bekehren. Warum hat denn Abra-