Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-11-01 · 2 (11.1874) · p. Seite 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
2 (11.1874)
Date
1874-11-01
Page
Seite 64 (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9616701-9619452-9619490--0073-9619524
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

64 " . die Dir die Mutter war in mehr als mütterlicher Liebe. Was sie an Dir gethan, ein Gott nur kann's, kein Mensch bezahlen. . . . Aus solchen Händen, theurer Freund, empfangest Du Dein Weib, so nimm es hin, und mög' die Liebe nie, der Glaube nicht, und nie der Segen von Euch weichen." Oder S. 40: ״Du weißt es, theure Braut, und Du, o Bräutigam wirst fest es halten u. s. w." Die dritte Traunngspredigt: ״Glaube, Liebe, Hoffnung" liest sich von Anfang bis zu Ende wie ein Gedicht. Anfang: ״Was in dieser Stunde tief mein Herz bewegt, ich kann es kaum in Worte fassen; ich möcht' so gern das Beste, Treuste, Wahrste mit Euch geben auf den Weg durchs Leben, den Ihr heut' beginnt." — Erster Theil: ״So spricht zu Dir heut', theure Braut, der Mann, der sich auf ewig Dir verbindet, so sprichst Du selbst zu ihm, dem Du in Liebe wirst zu eigen." — Zweiter Theil: ״Und nächst der Liebe steht der Glaube; der'Glaube nicht an Gott, der über allen Zweifel ist erhaben, der Glaube an Euch selbst, an Eure Kraft." — Dritter Theil: ״Denn wie die holde Morgenröthe auf den jungen Tag, so schaut die Hoffnung lächelnd auf den Bund hernieder; kein trüb' Gefühl beschwert Euch heut' die Brust." — Schluß: ״ . . . der Stern, der über Eurer Eltern Ehe stets geleuchtet, er glänzt auch Euch, der Glauben an Euch selbst und an der Treue Ewigkeit, denn nur der Tod kann scheiden zwischen Euch nach einem Leben voller Freud' und Seligkeit, geschmückt durch Tugend und des Heiles süßer, ewiger Hoffnung. Amen!" Wer mehr der Proben-haben will, der les' die ganze Predigt. Von ganz anderer, fast entgegengfetzter Art sind die Donatscheu Predigten. Es sind k u r z e Abhandlungen, welche zeitbewegende Fragen im Geiste des Judenthunls beleuchten und wenn auch nicht stets erschöpfend, so doch immer geistvoll behandeln; es sind kleine aber werthvolle Bausteine; auf eine strenggegliederte Durchführung des Textes muß man allerdings bei diesen kurzen Predigten verzichten. Es wird meist nur eine Seite, ein Punkt der betreffenden Zeitfrage herausgehoben, in den Vordergrund gestellt, und durch den an der Spitze stehenden Text recht schlagend zu beantworten gesucht. So in den beiden ersten Predigten ״die Arbeiterfrage und ihre Lösung vor 3000 Jahren" und ״das Krieg- und Armeewesen im Geiste der Thora." (Wir erinnern uns übrigens diese beiden Abhandlungen als Feuilleton-Artikel in einer jüdischen Wochenschrift bereits gelesen zu haben.) Sind in diesem weiteren Sinne auch sämnrtliche 5 Predigten Gelegenheitsreden zu nennen, so ist es die dritte ganz besonders: ״Das altjüdische Königs-Neujahr. Zum Geburtstag des deutschen Kaisers." Es sind einige Vergleichtmgspunkte schön durchgeführt, aber der letzte, wonach der erste Nissan deshalb zugleich Neujahr für die Könige nnd für die F e st e sein soll, ״damit dem Könige zu Gemüth geführt werde, daß er durch keine Mißregierung Tage der Trauer und des Unglücks über das Volk heraufbeschwöre, sondern sich von solchen Grundsätzen und Triebfedern leiten und bewegen lasse, welche der Nation Tage der Freude und des Glückes bringen" — ist denn doch zu sehr gezwungen und matt. — Die vierte Predigt: ״Die Freiheit auf Grund der Familie" ist in diesem Heftchen die gelungenste. R.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.