Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 2 (11.1874)
- Date
- 1874-11-01
- Page
- Seite 41 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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41 Altkatholiken sich für Reden begeistern, die oft nur dogmatische Differenzen und bloße Interna der katholischen Kirche behandeln, wie sie sich da ereifern, als gälte es auch für sie, sich eine unbefleckte Empfängniß, eine Unfehlbarkeit vom Halse zu schaffen. Kann zu dieser Bewegung die jüdische Predigt ganz schweigen? Mit Nichten. ״Es ist Zeit zum Reden." Es ist jetzt der günstige Augenblick, wenigstens unseren Brüdern zu zeigen, wie unser alter Glaube doch kein veralteter ist, wie er sich wohl auch in dieser alle religiöse Finfterniß bekämpfenden Gegenwart noch sehen lassen darf. Ohne durch offenkundige Absicht zu verstimmen, können wir unfern Leuten zeigen, daß für all' dasjenige, gegen welches sie und Andere draußen mit so viele Emphase auftreten, in unserer Religion niemals Raum war, und daß all' das, wofür sie sich draußen so begeistern, unsere Religion und unsere alten so verschrieenen Rabbinen in Fülle aufzuweisen haben. Wir brauchen nur zu erzählen, was unsere Religion über Priesterherrschaft, Kastengeist, über Fluchen, Verdammungssucht und Unfehlbarkeit eines Menschen denkt, und wir dürfen jetzt aus Empfänglichkeit und Verständniß dafür bei den Meisten rechnen. Es kann dem Wissenden nicht schwer fallen, über jedes dieser auf der Tagesordnung stehenden Themata eine auf klare Beweise aus Bibel und Talmud sich stützende, wirksame und zum Herzen dringende Predigt zu halten. So kann und soll die israelitische Predigt der Gegenwart mitten in der Gegenwart stehen und doch, ja vor Allem, eine israelitis che sein. Israelitisches Predigt-Magazin. November 1874. 3*