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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-10-01 · 1 (10.1874) · p. Seite 7

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
1 (10.1874)
Date
1874-10-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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7 Gehörten? Es mag ja wahr sein, daß, wie Horaz sagt: Mancher dasjenige mehr aufnimmt und behält quod .... deridet quam quod probat et veneratur, ob dies aber der Religion würdig ist, ergötzlich zu sein, um ersprießlich zu werden? — Auch der reichste Aufwand von populärem Flittermerk, auch der kräftigste Posaunenschall machtvoller Phrase fällt doch der Macht der Gewohnheit anheim, verfehlt seinen Zweck, prallt endlich von der Blasirtheit der Hörer ab. Welche Abstumpfung der Nerven ein solches Gebahren schließlich hervorruft, und wie es sogar das Entgegengesetzte dessen erreicht, wonach es strebt, konnte ich mich jüngst bei meinem Aufenthalte in der, deutschein Wesen wiedergewonnenen Stadt, in Straßburg überzeugen. Und ich gestehe, daß dort die meisten der hier geäußerten Gedanken in mir aufgestiegen sind. Ich wohnte im wundervollen Münster zufällig der Predigt eines jüngeren Geistlichen bei. Ich höre ihn noch, wie er alles Klingklang der Sprache in Bewegung setzt, wie er tüchtig aus dem vollen Farbentopse, vor allem nach Hochroth und Tiefschwarz, greift. Nach meiner unfehlbar genauen Zählung kam in der Predigt 14 Mal das Wort ״Hölle" vor. Immer fchauerlicher malend stieg er immer tiefer in die Unterwelt hinab — und dieser theologische Orpheus erreichte mit seinen wuchtigen Tönen dasselbe, was der mythologische mit seiner sanften Leier; fast drei Viertel der Gemeinde waren vom Orpheus zum Morpheus gegangen, besänftigt faßen sie da und athmeten in jener bekannten friedseligen Regelmäßigkeit. Aber, o Wunder, kaum war eine Senkung in der Stimme des Predigers eingetreten, kaum war er wieder in die Oberwelt gestiegen, da (wiederum wie in der Mythologie) sah man sich nach ihm um — die Gemeinde erwachte. — Da kann man wohl mit dem Propheten ausrufen: ״Wo sind deine Schauer, o Gruft, wo deine Schrecknisse, o Hölle?" Sie sind verbraucht und abgenutzt. Aber diese Schwarzmalerei erstreckt sich nicht blos auf das Jenseitige, nein, es ist bekanntlich ein Lieblingsthema vieler Predider, diese ganze Welt als einen Höllenpfuhl, als den Auswurf aller Schlechtigkeit, als die jämmerlichste aller möglichen Welten, k 1a Schopenhauer hinzustellen, und immer ist die neue, die gegenwärtige Zeit auch die schlimmste. Das Volk wird dadurch nicht zufriedener. — Aber ein Kanzelparagraph schafft solche Verirrungen aus nicht der Welt, es müssen die gesunden, naturgemäßen Paragraphen der Kanzelberedtsamkeit hinzukommen und — diese ziehen oft erst mit den Paragraphen in das Innere ein, die das volle wirkliche

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