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Israelitisches Predigt-Magazin · 1874-10-01 · 1 (10.1874) · p. Seite 2

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
1 (10.1874)
Date
1874-10-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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2 Wege geht, fthnmt man dort begeisterte Hymnen an jenem frischen Geisteshauche, der alle Lebensbeziehunger! durchweht und durchdringt, dein mächtigen Auf- und Umschwung in allen Gebieten des Wissens. Wer nun mit der Aufgabe betraut ist, euren ewigen, in allen Zeiten unwandelbarer! Kern durch Beispiel und Wort dein Blicke vor-׳ zuhalten, der muß nun dieser vielgestaltiger: Zeit unb vor allen! ihrer zweifelnden und verneinenden Richtung gegenüber eine feste Stellung einnehmen. Wäre nun diese Richtung nicht blos vor Herrschend, sondern all ei!!herrschend, dann müßte freilich der Verkünder von Positiven!, von Göttlichen! und Heiligen! in steten! Kampfe mit seiner Zeit und ihrer Richtung sein. Doch wir wissen auch, daß es, dem Herrn sei's gedankt, damit nicht so schlimm bestellt ist, wir wissen, daß die Vorsehung — was eben die laudatores temporis acti in! Eifer vergessen — in den! ergründenden Forscher!, in dem echt wissenschaftlichen Streber! der Gegenwart, welches von! Zweifel zur Gewißheit vorzudringen sucht und auch vordringt, ein heilsames Correctiv für jene Neigung geschaffen hat. Dieses Correctivs nun, in welchem wohl die wahre, schöne Haupt Achtung der Gegenwart besteht, hat sich der Prediger zu bernächtigen zun! Heile der von ihn! vertretener! Sache. — Hand in Hand mit dieser!! Geiste der Zeit, in heiliger Allianz mit der Wissenschaft und Aufklärurig hat die Predigt, die ja jetzt noch oft die einzige Geistesnahrung des arbeitenden Volkes ist, an der großen Culturarbeit theilzunehrnen. — Sie karu! es nach Inhalt und Form. Mar! darf nicht mehr das Weser! der Predigtals ein blos erbauliches bezeichnen, sie muß auch das Belehrende und Auf klärende in sich schließen. So wahr es ist, daß sie eben so sehr für die Läuterung, wie für die Befestigung des Glaubens, ebenso sehr für die Befreiung vom Aberglauben, wie für die vom Unglauben zu wirken hat, ebenso wahr ist es, daß sie diese Läuterung und diese Befreiung nur durch die Läuterung und Aufklärung in allen Dingen erreichen wird. Treffender kann n!ar! dies wohl nicht ausdrücken, als unser größter Dichter durch den Ausspruch: ״Die Frömmigkeit ist kein Zweck, sondern ein Mittel, um durch die reinste Gemüthsruhe zur höchsten Cultur zu gelangen." Darum muß derjenige, der für die Frö mmigkeit wirkt, die Cultur im Auge behalten und ihr allenthalben auch an heiligster Stätte innige Sympathie zum Ausdrucke bringen. — Wenn rnan auf manche Richtung in manchen, oder, sagen wir dreist in allen, Confessionen hinblickt, so ist es unleugbar, daß es gerade das Wort an heiliger Stätte, die Predigt war, die den Gegensatz von ״fromm"

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