Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 151)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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145 aber auch und vertraue auf Dich, daß Du ferner mit uns sein und Deinen Segen schenken wirst dieser Gemeinde und dem Bunde, den sie mit mir geschlossen hat, und daß Du mir die Kraft geben wirst, sie ferner nach Deinem Worte und Gebote zu leiten und zu führen und mir ihre Liebe zu bewahren allzeit. Amen. Theure Gemeinde, andächtige Zuhörer! Heute sind es 25 Jahre, daß ich unter Euch das Amt der Lehre und der Seelsorge angetreten, mit all dem Zagen, mit all den bebenden Gefühlen, die uns bei dem Betreten jedes neuen Bodens beschleichen; 25 Jahre, ein flüchtiger Augenblick in den Augen Gottes, ״ בי אלף שנים בעיניךin dessen Augen tausend Jahre sind wie der gestrige Tag, der entschwunden;" aber wie Vieles, wie Mannigfaches drängt sich uns in diese 25 Jahr zusammen. Und wenn ich in dieser Festesstunde, die Ihr in Eurem Uebermaße von Liebe, mir bereitet habt, an meinem Geiste vorüberziehen lasse, was wir in dem abgelaufenen Vierteljahrhundert zusammen durchlebt, — ich sage: zusammen durchlebt, denn der geistliche Führer, der in treuem Bunde mit seiner Gemeinde verknüpft ist, lebt das ganze Leben seiner Gemeinde mit, er jauchzt mit der Freude, die jedes Glied seiner Gemeinde beglückt und trauert mit dem Schmerz, der jeden Einzelnen in ihr niederbcugt: wenn in dieser feierlichen Stunde aus den entferntesten Winkeln meines Gedächtnisses die Erinnerungen zusammenfließen an all das Liebe, Freundliche und Gute, das ich von Euch empfangen, an die ungeschminkte Herzlichkeit, mit der Ihr mir entgegengekommen, an das niemals wankende Vertrauen, das Ihr mir bewahrt; wenn ich aber wieder der Wackeren und Biederen gedenke, die mir vor 25 Jahren als treue Berather zur Seite gestanden und mir soviel der Treue und Liebe bewiesen, und die mir der erbarmungslose Tod entriß — o, Einer nach dem Andern schlich sich von meiner Seite hinweg und mir ward die traurige Aufgabe, ihre sterblichen Leiber hinauszugeleiten zur Stätte des ewigen Friedens, und stärker zu sein, als der Schmerz, der an der Bahre Jahrgang 1894. Festpredigten. 10