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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 143

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 143 (sequence 149)
Language
German
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143 jüdischen Viertels vernahm man zu jeder Tageszeit die Töne des Talmudstudiums; in jedem jüdischen Hause, so heißt es, gab es dazumal ein Bethdin, ein Collegium zur Entscheidung schwieriger Fragen des jüdischen Rechtes. Tag und Nacht wurde in den Lehrhäusern das belehrende Wort gespendet für jede Schicht der Bevölkerung; selbst der gewöhnliche Mann besaß damals ein so beträchtliches Maß religiöser Kenntniß, daß heute füglich schon ein Student der Theologie damit Staat machen könnte; auch die armseligen Leute, die als Hausirer von hier in die Welt hinauszogen, nahmen sich heilige Schriften in ihren Packen und Vertrieben sich auf den weiten Wegen die Zeit, indem sie fromme Melodieen leise sangen und sich einprägten. Dennoch kam die Zeit, wo diese altjüdische Frömmigkeit, die mit einem guten Schofar und vollends mit einem schönen Esrog beglückter war als die heutigen mit einem prächtigen Gewände sind, es kam die Zeit, wo diese Frömmigkeit nicht ausreichte und ein Bruch drohte zwischen dem Alter und der Jugend. Als vordem, zur Zeit Mendelssohn's, freiere Gedanken hier Eingang gefunden hatten, da hatte der religiöse Eifer die Schriften des Weisen aus Dessau auf dem Schulhofe verbrannt. Dennoch war der neue Geist mächtig geworden und unser Jubilar wurde berufen, um sein Herold zu werden. , Die Ausgabe war schwer genug. So viel treffliche Männer, zu denen wir alle ehrfurchtsvoll heraufgeblickt haben, die den redlichsten Willen und ein großes Wissen besaßen, waren empfindlich, daß sie nun doch nicht ausreichen sollten. Da hat unser Jubilar gethan, was der Midrasch von Abraham berichtet, er hat den Niß verbunden, er hat klug und bescheiden, fest, wo es die Ehre seines Amtes, und nachgiebig, wo es die eigene Ehre galt, dem neuen Geiste hier eine Stätte gegründet, ohne die Alten zu verletzen, sein Mitarbeiter an diesem Werke der Versöhnung, der ebenso gelehrte.als fromme Greis, ist der ehrwürdige Rabbi

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