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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 123

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 123 (sequence 129)
Language
German
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123 die Schwester, Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter, und die Krankheit verstärkt sich mit jedem Augenblicke, und du sitzest weinend an ihrer Seite, fürchtend den herannahenden Tod, fürchtend die Stunde, in welcher dein Bruder, der dich zärtlich liebte, deine Schwester, die deinethalben immer besorgt war. dein hoffnungsvoller Sohn, den du als Stütze deines Alters verehrtest, deine tugendhafte Tochter dir entrissen werden soll! — fürchtend die Stunde, in der du deinen um dich stets bekümmerten Vater, die Zierde des Hauses, verlieren sollst — in der deine dich zärtlich liebende Mutter auf ewig von dir getrennt wird! —Ewige Trennung! Ewiger Abschied! Schreckliche Stunde! — Und du blickst zurück auf die Vergangenheit; erinnerst dich des ehemaligen geselligen Zusammenlebens — und zerfließest in Thränen — siehst auf die Gegenwart; welches Gefühl! noch ein Hauch, noch ein Athemzug, und ewig vom Geliebten geschieden — und du zerfließest in Thränen — schauest in die Zukunft, welcher Anblick! welche Leiden! Schrecklicher Gedanke! — bald stehe ich verlassen — verlassen an den Grabhügeln meines Geliebten! meines Vaters! meiner Mutter! — und dein ganzes Wesen löset sich in Zähren auf. - Aber in diesem jammervollen Augenblicke bricht die göttliche Morgenröthe hervor; die Dunkelheit schwindet, überall wird es hell, und mit mächtiger Stimme ruft der Glaube aus jenen Himmelshöhen: ״Dort, in der Vergänglichkeit Reich, seid ihr getrennt; hier, in der Ewigkeit. werdet ihr euch wieder umarmen!!" Und der Verzagte richtet sich auf, erträgt mit Geduld diese Leiden; denn der Glaube hat auch ihn beruhigt. Und so, m. Z., haben wir erörtert, auf welche Weise der Glaube, die Freude und die Beruhigung des Menschen ist. Beobachtet ihr nun diesen Glauben in allen Schicksalen des Lebens, unter allen Verhältnissen, unter allen Stürmen der Zeit; so genießt ihr die Freude und die Beruhigung im Leben nach dem vollständigen Sinne unseres ganzes Textes:

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