Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 125)
- Language
- German
- Belongs to
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119 urb zum ewigen Gebrauche in sein Reich hineinzuziehen; so können doch nur diese Anlage und dieses Vermögen sich ausbilden und in die Wirklichkeit übergehen, wenn wohlangebrachte Lehren und gediegene Vorschriften dem Geiste eingeschärft worden sind. Und was nützen dem Menschen die Meisterwerke der Gottheit und ihre Uebereinstimmung? Welche Wonne sühlt bei dem Anblicke der nie aus ihrem Geleise tretenden Natur das Herz desjenigen Menschen, in dessen Geist noch nicht die Liebe zur ächten Bildung wach geworden? — Welchen Beifall wird derselbe wohl den Erfindungen der Kunst und den tiefen Ansichten, die der gründlichen Wissenschaft entsprungen, zollen? — Wird er wohl eine Freude empfinden bei der Wahrnehmung, daß Andere sich um das Wohl hülfsbedürftiger Menschen bemühen? — Wahrlich nicht! und welches Vergnügen kann ihm nun wohl zu teil werden! — Und würde auch der Geist die heilige Weihe der Selbstbildung empfangen haben, aber verborgen sind ihm geblieben die heiligen Pflichten gegen seinen Bruder, und die Beobachtung der Ehrfurcht gegen den höheren Stand; wie müßte ein solcher Sterbliche auch noch da in Mißvergnügen und tötender Einsamkeit durch des Lebens oft gekrümmte Bahn wandeln! Nicht der Freund würde dem Freunde die Thränen über das Unglück durch Trost trocknen; .nicht die Geselligkeit würde durch vereinte Kraft das Vollkommenste erzielen; nicht die durch Ehrfurcht und Hochachtung herrschende Ordnung würde ihre Segensflügel über das Menschengeschlecht ausbreiten können! Welches göttliche Geschenk ist daher, m. a. Z., der Glaube! der uns die Selbstveredlung anbefiehlt, und die Nächstenachtung im reinsten Glanze darstellt. Durch diesen Glauben werfen wir uns vor der Allmacht nieder bei der Betrachtung eines Sonnenstäubchens und verkünden, ergriffen von der Erhabenheit einer zweckmäßigen Harmonie der Weltkörper und ihres Einflusses auf einander, unsere Freude durch den Ausruf: ״Ein weiser Vater hat dies alles erschaffen!" Durch diesen Glauben laben wir uns an dem ewigen