Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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113 wenigstens hat die Söhne und die Töchter gleichgestellt, während allerdings heute manche Israeliten glauben, eine religiöse Feier wie die Konfirmation sei nur für die Söhne nöthig und nicht für die Töchter. Aber mit diesen Beziehungen ist das Gleichniß vom Jakobsbrunnen noch nicht erschöpft. Israel mit seinen drei Heerden lagert am Quell der Erkcnntniß, aber noch viel mehr Heerden werden erwartet; und der Brunnen spendet seine volle Fluth erst, wenn alle Herden vereinigt sind; von den Schätzen der Erde mag es gelten, daß der Reichthum des Einen in seinem Werthe wächst, je weniger die Andern haben. Aber die religiöse Wahrheit beglückt und beseligt uns in höherem Maße durch die frohe Aussicht, daß einstmals alle Heerden zum Brunnen wallen werden. Freilich der Quell liegt frei und offen da; es ist, wie cs in der Schrift heißt, mit Vorbedacht ein Stein auf den Quell gelegt worden um ihn zu verschließen; wir kennen diesen Stein, es ist das Vorurtheil, es ist der Haß, es ist nicht selten der Eigensinn, der sich sträubt, anzuerkennen, daß Israel das Kleinod der Gott-Erkenntniß rein bewahrt hat. Die heilige Schrift erzählt dann: Jakob, ein einziger Mann, wälzt den Felsen vom Quell und alle Heerden stillen ihren Durst. Auf solch einen gewaltigen Mann, auf den Helden, der der Wahrheit eine Gasse bricht, hoffen wir, die träge Menge braucht einen mächtigen Anstoß; möge bald die Zeit kommen, da alle Heerden sich um den einen Quell Vereinen und alle Menschen den einen Hirten anbeten, den Hort und Hirten Israels. Amen! Jahrgang 1894. Fe st predigten. 8