Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 115)
- Language
- German
- Belongs to
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109 Mundes und die Regungen ihres Herzens, Du mein Gott, mein Erlöser. Amen! M. A.! Unsere Weisen, die überall am Himmel und auf Erden, in der Natur und in der Geschichte nach Gleichnissen suchen, um das Wesen und den Werth der Religion uns näher zu bringen, uns zu erläutern, finden auch in der bekannten Erzählung von dem Brunnen, an den Jakob ans seiner Wanderung kam, ein Gleichniß der sinaitischen Offenbarung. Wir lesen nämlich im ersten Buche Moses: Jakob traf einst einen Brunnen auf dem Felde, um den lagerten drei Heerden, aber noch viele andere Heerden wurden erwartet; erst die vereinte Kraft 1er Hirten wälzte den Stein fort, der auf dem Brunnen lag und Hirten und Heerden konnten sich laben. Jakob aber vollbrachte einmal allein das schwere Werk. Der Brunnen auf dem Felde, so sagen die Alten, das ist die Lehre des Sinai. Oft schon ist die Religion einem Quell verglichen worden, aber es verlohnt sich dennoch diesem Vergleich ein wenig nachzuspüren. Verschieden sind die Neignngen der Menschen und ihr Verlangen. Der eine hat den heißen Drang nach Wahrheit, ihn locken keine Freuden, keine Früchte, es seien denn diejenigen, welche am Baume der Erkenntniß prangen, er vergeht vor Sehnsucht nach den Schätzen der Weisheit; der Andere will seines Daseins froh werden, ihn lockt die Erde und ihre Lust, das Leben und seine Genüsse; ein Dritter hat bitteres Weh erfahren, und er schmachtet in Kummer und Sorge, ihm fehlt der Trost, der das Herz erfrischt wie die Fluth den dürren Acker. Und diesenAllen gilt der Ruf: הוי בל צמא לפר למים ״Aus all ihr Dürstenden, kommt zum Quell", hier ist Wahrheit, hier ist Freude, hier ist Trost. Und der Quell sprudelt stets neue Fluih aus den Tiefen. Der Quell ist derselbe, aber die Wasser sind stets srrsch und rein. So ist die Thora ewig jung, und wie sie die Väter erquickt hat und ihnen die Lebenszehrung gewährt hat, deren sie für ihre Zeit bedurften, so spendet