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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 106

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 106 (sequence 112)
Language
German
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106 eine Heimat, nach der so manchen Erdensohnes Sehnsucht rege wird, wenn die Tage kommen, von denen die Schrift uns sagt, daß sie uns nicht gefallen, wenn im Niedergange, im Erlöschen begriffen ist des Körpers Kraft. Es ist die Seele, die wieder zurückkehrt zu dem Ursitze, von dem sie ausgegangen, zu den höheren Geistern, die da wandeln im Licht, die die Herrlichkeit Gottes schauen in ihrem unendlichen Glanze. Aber eS kündet uns schon hienieden die unverfälschte Stimme der denkenden Vernunft, daß der Empfang dort in jenen lichten Höhen ein verschiedener sein werde und müsse, je nachdem wir unser eigenes Selbst erhöht oder erniedrigt haben während der Tage unseres Erdenwallens durch unser Verhalten, durch unsere Lebensführung. Heil uns, wenn uns die beglückende Ueberzeugung erfüllt, daß wir reines Herzens gewandelt sind vor Gott, daß wir unsere innere Vervollkomnung in ernster und ausdauernder Mähe- Wallung erstrebt, daß wir uns geweiht haben dem Dienste des Guten in edler weihevoller Begeisterung! Heil uns, wenn uns erfüllt die lichtvolle Ahnung, daß unser Empfang im Reiche der höheren Geister ein freudiger sein werde, daß, menschlich geredet, ein froher und lauter Willkommensgruß uns, erklingen werde, so wir cintreten in die Pforten des ewigen Lebens. Aber welch eine schmerzliche Empfindung ist cs wohl für den Erdensohn, wenn er sich selbst gestehen müßte in seines Herzens Tiefen, daß bei seiner Rückkunft in die ewige Heimat der vorwurfsvolle Ruf ertönen werde: ״Ist das Naomi, die Liebliche, die Holde?" ״Ist das die einst so rein gottentstammte Seele, die gesandt ward zur Erde, daß sie Gott diene in körperlicher Umhüllung, daß sie ihre Prüfung bestehe auch in den Versuchungen des Erdendaseins? In einem solchen kläglichen befleckten Zustande kehrt sie zurück? Aber solche Ahnungen, ׳'olche Erwägungen und Empfindungen sind manchem Sohne der Gegenwart unbequem und lästig, sie streiten wider seine ungemessene Erdenlust, darum scheucht er sie hinweg als störende, zwecklose Gebilde der Phantasie und der Gedanke an das ewige Leben

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