Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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_ 103 Rauch dahin all die Bedenken die gegen die Auswanderung in seiner Seele erstehen konnten. Er ahnte freilich nicht, daß ihn oder die Seinigcn je ereilen würde die Macht eines grausigen Geschickes, daß sich ereignen könnte was die Schrift von der Naomi und ihrer Schwiegertochter erzählt: ״Und es war als sie angekommen waren in Bethlehem, da gerieth die ganze Stadt in Aufruhr und ein Jeder sprach: Ist das die Naomi?" Nein, es stand vielmehr zu erwarten, daß die Vortrefflichkeit der moabitischen Lebensweise, die Schrankenlosigkeit und Ungebundenheit des persönlichen Daseins sich auch an ihnen bewähren werde, daß nur der Anblick gewaltiger Kraftfülle und strotzender Gesundheit sich bei den Seinen zeigen werde. Aber wie nichtig und eitel erwiesen sich nun diese Erwartungen! Elimelech selbst und seine Söhne sanken wieder Erwarten in den Staub und die Naomi bietet bei ihrer Rückkehr eine solch klägliche Erscheiliung dar, daß all Diejenigen, die in den Tagen der Hungersnoth nichtihre Heimat verlassen hatten und ihr Schicksal ertragen hatten in Geduld und Ergebung, nunmehr fragen: ״ הזאת נעמיIst das die Naomi?" Das sind also die erhofften Vortheile der Auswanderung? M. A.! Die Lehre, die sich dem denkenden Geiste, dem wahrheitsliebendenGemüthe, beider Betrachtungdiesergeschichtlichen Vorgänge von selbst ergiebt, sie ist eine so bedeutsame, daß sie eine besondere Hervorhebung verdient im Hinblick auf gewisse Strömungen oder Gedankenrichtungen, die sich in unserem Zeitalter geltend machen. Das Judenthum in seinen Satzungen, sagen so Manche, das Judenthum in seinen Geboten und Verboten es wirkt gar häufig schädigend auf Jemand ein und auf die Entwickelung unserer körperlichen Kräfte, es beansprucht zu viel der Opfer von uns, es raubt uns Zeit und Gut und Geistes- und Körperfrische, wie sollen wir da, wie sollen namentlich unsere Kinder zu rechter Kraftentfaltung gelangen? Erscheint da nicht die — moabitische Lebensweise, die keine Schranke und kein Hemmniß kennt, ersprießlicher und zuträglicher als die