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Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 88 (sequence 94)
Language
German
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88 Beispiel und Borbild findet und in wcchselvoller Beziehung macht uns das Fest wieder empfänglich für die reinen Freuden der Natur. Sie, die uns abstieß, jetzt ruft sie uns hinaus in die freie Schöpfung Gottes, daß wir in ihr seine Größe und Allmacht erkennen, und bewundernd anbeten, daß wieder aufgerichtet werde der gesunkene Glaube, daß, was von ihm ist, nur Leben sein kann, lebenzeugend, lebenspendend. Denn hierin liegt das unterscheidende Merkmal zwischen heidnischer und unserer Anschauung der Natur. Dort erfreut sie Ohr und Auge, uns erhebt sie Herz und Seele, dort ist sie ein zwar wunderbares und kunstfertiges aber seelenloses Getriebe, hier ein Werk, das zeugt von seinem Meister, keiner ein Abglanz und schwacher Schein. Dort führt ihre Betrachtung zur Verehrung der Schöpfung oder des lebendigen Geschöpfs, das sie zu meistern unternimmt und das sie wohl auch — aber doch nur sehr wenig — versteht, dort bricht der Mensch, überwältigt von ihrem Glanz, in dem Bewußtsein seiner vermeintlichen Herrschaft in den vermessenen Ruf aus: Vieles Gewaltige lebt, aber nichts ist gewaltiger als ich, der Mensch — und hier spricht der Sänger, dessen Herz und Sinn ebenso offen ist für die Herrlichkeit der ihn umgebenden Natur: ״Wenn ich schaue Deine Himmel, das Werk Deiner Hände und ihnen gegenüber den Menschen, den Du doch nur weniges an Göttlichem hast fehlen lassen, dem Du Alles zu Füßen gelegt, so erkenne ich, daß der Ewige unser Herr ist, wie erhaben ist Deine Herrlichkeit über der ganzen Erde." (Pf. 8.) Und da derselbe Sänger in einem andern Liede das Walten und Wirken der lebendigen Kräfte der Natur, ihr Jneinandergreifen uns in anmutigem Bilde vorführt, da ist die Grundstimmung, aus der jede wahre Schätzung stammte und in die jede Bewunderung ausklingt: ״Wie groß ist das alles und es ist doch Dein Werk, Du hast es mit Weisheit gebildet, voll ist die Erde Deiner Schöpfungen. Darum will ich dem Ewigen singen mein Lebelang, meinen Gott Preisen so lange ich bin." (Ps. 104.)

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