Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 82 (sequence 88)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9616701-9618385-9618386--2442-9618472
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

82 dieses Kennzeichen an unseren Befreiten wahrzunehmen? Fürwahr, m. 91., wir verkennen gewiß nicht die sittlichen Grundlagen Eurer Lebensführung, und wir künden cs oft und laut genug, wie schnell und wieviel bereits Israel abgestreift hat von den Spuren jener sittlichen Verkümmerung, welche ihm die ehemalige Knechtschaft ausgeprägt hat. Allein die Klagen, die noch immer wider uns erhoben werden, zeigen uns deutlich genug, wieviel da noch zn bessern ist. Und entgegnet ihr auch mit Recht, daß Israel in sittlicher Beziehung nirgends hinter seiner Umgebung zurücksteht, so lernet aus der Klage, die dennoch nicht verstummen will, daß dies noch nicht genügt, daß man von Euch mehr als von Andern fordert. Diese Forderung erhöhter Sittlichteit, welcher jede Minderheit gerecht werdeu muß, kann uns nur willkommen sein; sie war uns seit jeher der Sporn und Antrieb zur Anspannung aller unserer Seelenkräfte und zur Heiligung des göttlichen Namens, der über uns genannt wird. Dieser erhöhten Forderung wird aber derjenige nicht entsprechen können, der nicht auf dem heiligen Boden der Religion steht. Denn nur wer Gott als den Vater aller Menschen anbetet, liebt seinen Nächsten wie seinen Brnder; nur wer vor dem Dreimal-Heiligen in Demuth wandelt, tritt bescheiden auf vor den Menschenlindern; nur wer hienieden schon im Ewigen lebt, bleibt heiter und zufrieden und erhält sich frei von der Sklaverei des Reichthums und von der Knechtschaft des Sinnengenusses. Wenn daher die Verfolgten in unseren Tagen sich wieder sammeln, um mit vereinten Kräften dem Verfolger zu begegnen, so ist das zwar zu billigen und zu loben, aber immer nur dann, wenn die Grundvoraussetzung aller Vertheidigung nach Außen bereits vollzogen, wenn die religiös-sittliche Läuterung im Innern vorausgegangen ist. Ohne diese Läuterung hat die Vertheidigung keinen Sinn, denn sie muß erfolglos bleiben. Nnr wenn Ihr bei Euch selbst einkehret und in der Furcht Gottes und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.