Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 74

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 74 (sequence 80)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9616701-9618385-9618386--2434-9618464
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

74 abermals der Wintcrdie Flur bedecken. Aber ersterben die Keime und gewinnt nicht der Baum mit jedem Wechsel neue Kraft? Und der Mensch, den wir in die Gruft betten, sollte dahinsterben und Du fragtest vergeblich nach einer neuen Heimat. Das Menschenkind legte sich zur Ruhe und stünde nicht wieder auf, eher könnten die Himmel vergehn, bis er erwachte aus seinem Schlaf. Nein, m. A., Finsternis und Tod künden erst recht die Macht des Lichts und Lebens, weil sie verurteilt sind, aus sich selbst Licht und Leben zu entlassen. Du siehst am Ende des Tages die Nacht ihre schwarten Schatten über die Erde breiten und alles Leben mit ihrem Gewand umfangen, aber bist Du nicht gewiß, daß, wie gestern, so heute der Helle Morgen anbrechen wird und alles Lebendige wieder jubelnd das Licht begrüßen? Du hast den Winter Feld und Wald besitzen sehen, aber siehst Du nicht heut, wie seine weißen Truppen abgerückt sind und alles um Dich her zu neuem Leben erwacht? Und Du wolltest hier innehaltcn und nicht dasselbe Gesetz gelten lassen für menschliches Leben und Sterben — daß auch für jenes ein besserer Morgen anbricht daß erwachen zu Gefilden der Verklärung die im Staube schlafen, wenn der Frühlingstau Gottes auf sie fällt, von ihm her, bei dem beides ruhet, Leben und Tod? In ihm findet der Gegensatz Versöhnung, weil er Herr des Gegensatzes ist, in ihm findet alles Kämpfende den Frieden, weil er der Schiedsrichter aller Gewalten ist, in seiner Ewigkeit verschwindet alles Zeitliche, Wechsel und Fluß. An jedem Abend Preisen wir ihn auch, daß er die Finsternis und die Nacht geschaffen, daß er die Abende dämmern läßt und in unablässigem Gang Tages- und Jahreszeiten kreisen läßt, wir Preisen ihn darob, weil er ja bleibt ״ אל הי ומים תמיד ימלוך עלינוDer lebendige, beständige Gott, er ist, der die ewige Herrschaft über uns führt" und nicht die Gewalten Finsternis und Tod, er, bei dem der Quell des Lebens und in dessen Licht wir immerdar Licht schauen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.