Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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65 arbeitet und kämpfet für die Angetraute seines Herzens: und das Weib entfaltet hier jene dienende Liebe, die den Hauch des Heiligen über Alles breitet und das Niedrige und Gemeine dem Anwesen fern hält. Beiden aber erwachsen in den Kindern neue Pflichten der Selbstverleugnung, und die Erziehung derselben zu würdigen Gliedern der Gemeinde und des Vaterlandes heischet täglich und stündlich zahlreiche Opfer hingebendster Liebe. So wird die Familie zum Heiligthume, in welchem Mann und Weib für den Dienst der Gesammtheit die Weihe empfangen. Denn auch die Gesammtheit stellt ihnen Aufgaben, denen sie gerecht werden müssen. Die Familie ist nur ein Glied im großen Staatshaushalte, und so die Glieder nicht Zusammenwirken zum Heile der Gesammtheit, sind Verwirrung und Zerstörung das unausbleibliche Ende. Alle die Kämpfe der Gesellschaft, deren Zeugen wir gegenwärlig sind, und die den inneren Frieden gefährden, sie sind zurückzuführen auf das geringe Maaß von Menschenliebe, das wir gegen die Gesammtheit anwenden zu dürfen glauben. Dieser Mangel aber entspringt lediglich aus der falschen Auffassung dessen, was wir Besitz nennen. Wer sich für den ausschließlichen Eigenthümer seines Besitzes hält, kann die Selbstsucht nur schwer überwinden, die geringste Entäußerung erscheint ihm sogleich als ein großes Opfer. Wohlan, werden wir uns auch wohl nie mit dem Gedanken befreunden können, daß alle Besitzthümer der Gesammtheit eignen, den Satz der Schrift dürfet ihr doch nicht zurückweiscn: לה׳ האדן ומלואה תבל ויושבי בה ״Gottes ist die Welt, und was sie füllet, das Erdenrund und seine Bewohner!" Wer aber den Ewigen als den Herrn und sich selbst nur als den Verwalter seines Besitzthums betrachtet, der wird wissen, worin ברבת המזון, worin der ״Dank für die Ernährung" sich kundgebcn soll, der wird dem Armen und Dürftigen reichlicher spenden und den Mühseligen und Beladenen das Recht zu einer bessern und freiern Gestaltung ihres Lebens einräumen. Dieser Satz Jahrgang 1894. Festpredigten. 5