Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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52 eines Dichters hätte ahnen können. Der Dampf tragt uns mit Windesschnellc in die entfernteste Gegend, unsere Gedanken und Worte werden mit Blitzesschnelle über das Weltmeer getragen, die Naturprodukte auf künstliche Weise verarbeitet und wenn heute Koheleth aufstünde und iu dieser neuen Welt Umschau hielte, in dieser Welt mit ihren schwirrenden Rädern, ihren eisernen Brücken, ihrer Aus- Nutzung aller Naturkräste, ihren Fabriken mit allen ihren gewaltigen Mitteln, in dieser neuen Zeit, der nichts unmöglich erscheint, da würde er vielleicht ausrufeni dg oben glänzt noch die alte Sonne, aber unter dieser Sonne ist Alles anders geworden. So könnte man meinen. Koheleth würde aber sprechen: ״Weit habt Jhr's gebracht, das ist wahr, aber der Mensch ist doch immer derselbe geblieben mit seiner Sehnsucht nach einer neuern bessern Welt. So war es zu meiner Zeit, als ich grübelnd das Register aller menschlichen Thätigkeit, aller menschlichen Freuden durchging, alles was die Menschen Gutes und Schönes hatten, lernte ich kennen, prüfte ich und siehe, ich fand, daß nichts unser Sehnen nach der neuen Welt zu stillen vermag. Alle kamen mir vor, wie Menschen, die da ausgehen, eine herrliche zauberhafte Gegend zu suchen, die sie einst im Traume gesehen haben. So war es damals, so war es heute vor 400 Jahren, als ein kühner Seefahrer auszog. und eine neue Welt fand. Wie mag es ihm zu Mute gewesen sein, als er von seinem Schiffe aus das Land erblickte, die Sehnsucht hatte ihn getrieben, die alte Sehnsucht nach der neuen besseren Welt, und Ihr alle Söhne dieses Jahrhunderts, erfüllt Euch nicht dieselbe Sehnsucht nach der neuern bessern Welt, in der nur herrschen werden die Wahrheit, der Frieden und das Glück des Einzelnen. ״Nichts Neues unter der Sonne" denn der Mensch ist derselbe geblieben". So würde, m. A., Koheleth seinen Satz rechtfertigen, und dieser Satz in der eben dargestellten Bedeutung bilde den Ausgangspunkt unserer heutigen Be-