Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1894-01-01 · 1894 · p. Seite 47

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
12 (1894)
Issue
1894
Date
1894-01-01
Page
Seite 47 (sequence 53)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/9616701-9618385-9618386--2407-9618437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

bin ich doch elend. Dachte schnellfertig: ״Wie täuscht doch alles, was am Menschen ist." — Wie ist doch unsere Art, das Fest zu feiern eine ganz andere geworden. Aber verschlägt das etwas? Sind Menschenleben und Menschenempfinden anders geworden? Hat das Menschenherz gewechselt? Nein, m. A., auch wir, wenn wir unser Leben überblicken, können mit denselben Worten sprechen: Not und Gram traf mich da rief ich den Namen Gottes an. Was anders hätte mich aufrechterhalten können als die Tröstungen, die im Namen Gottes liegen, als die Ueberzeugung, daß er wie ein milder Wohlthäter meine Not sieht, wie ein liebender Vater auf meinen Gram blickt. 'Und hätte er auch nicht geholfen, konnte er nicht helfen, so rief ich dennoch seinen Namen und vertraute ihm Not und Gram, und es ward stille und friedlich in mir, denn ich wußte: einen Freund giebt es, der weiß, der sieht, was dich quält und drückt. Er sieht, wie du dich auf dem Krankenlager windest, er sieht, wie Weib und Kind dir darben, er sieht, wie die Menschen dich verlassen, er sieht, wie dein Hoffen zerstört wird. Und würde es auch nicht anders, besser, blieben mir Not und Gram, können sie noch dieselbe Stärke haben, wenn ich den Namen Gottes anrufe, wenn ich weiß, einen giebt es, der es weiß? Ist nicht das der Seele größte Last, die sie allein tragen muß? und ist sie nicht frei, wenn sie es abgewälzt hat auf den, der alle Lasten trägt? Wen anders sollen wir aurusen, wenn Not und Gram uns treffen: Sollen wir zu Menschen rufen? ״Vertraut nicht auf Fürsten, nicht auf ein Menschenkind, bei dem keine Hilfe ist. Sein Leben entflieht, er kehrt zur Erde, und selbigen Tages sind seine Pläne dahin. Heil dem, dessen Hilfe Jacobs Gott, dessen Hoffnung der Ewige ist." (Ps.146,3—5.) Wohl dem daher, der in Not und Gram den Namen Gottes anruft und sich die Enttäuschung erspart, auf Menschen vertraut zu haben. Aber was wollen wir denn? Was sind denn Not und Gram gegen die höchste Gabe: Wandelst du nicht vor Gott im Lande des Lebens? Hat er nicht deinen Fuß bewahrt vor dem Straucheln? Hat er uns nicht vor dem Tode bewahrt, der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.