Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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45 _ Aber wie die schwirrende Saite ihre Nachbarinnen ergreift und lei'e niit- und nachklingen läßt, so können auch wir mit einer dem Dichter und Beter ähnlichen Kraft nachfühlen, wenn wir uns in seine Nähe stellen, wenn wir unsere Seele an den verbindenden Wirbel gleicher Empfindung befestigen, wenn wir Lied und Gebet nicht mit flüchtigem Auge lesen, sondern singen und beten mit dem Munde, mit dem Herzen, mit der Seele - der ganze Mensch. In dem ganzen Menschen aber wird für jeden Laut, der aus einer Menschenbrust kommt, eine verwandte Saite klingen und je echter der Ton, je menschlicher, je voller klingt es mit. Solche Herzenstöne erklingen wie aus dem ganzen Psalter, das darum das Liederbuch der Frommen aller Zeiten und Bekenntnisse geworden ist, rein und voll aus dem Hallelpsalmen. Eines der schönsten Lieder ist der 116, in dem ein volles Herz sich durchringt vom Schrei der Angst bis zur Hellen jubelnden Freude. Aus ihn! lasset uns einen Accord vornehmen, den im Dreiklang von Gebet, Jubel ünd Dank ein gemeinsamer Grundton beherrscht: I. Leid traf mich und Gram, da ruf ich an den Namen Gottes! I!. Den Becher des Heils hebe ich empor und den Namen Gottes ruf ich an! III. Dir will ich opfern ein Opfer des Dankes und den Namen Gottes ruf ich an. I. ״ אהבתיJa ich habe dich lieb, mein Gott, denn du erhörtest mein lautes Flehen. Hast du mir nicht dein Ohr geliehen, als damals ich zu dir geschrieen/' Mit diesen Worten betritt der fromme Pilgerer den Tempel. Fernher kommt er gezogen aus ׳einer Heimat aus dem freundlichen Galiläa, aus deill düstern Südland von der lieblichen Ebene Saron, von t er dürftigen Steppe von den Bergen herab. Schon vor Wochett hatten sich alle versammelt und waren aufgebrochen, je näher sie kanten, desto größer wurde der Zug. Auf freiem Felde, am Bergeshang, im düstern Wald hatte