Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 12 (1894)
- Issue
- 1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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39 VII. Die religiöse Äerebfamteit Eine Betrachtung zum Schlußfeste. Als Mose kurz vor seinem Tode noch einmal eine feierliche Mahnung an sein Volk richtete, schilderte er die Wirkung, die er für sein Wort wünschte, in folgenden Gleichnissen. ״Es träufe wie Regen meine Lehre, es riesele wie Thau mein Wort, wie Sturmgüsse auf die Saat, wie Fluten auf das Gras, denn den Namen Gottes rufe ich, seine Größe will ich künden!" Wer dein Tode nahe ist, hat nicht viel Worte übrig und hier braucht Mose vier Gleichnisse für dieselbe Sache Wenn wir es recht erwägen, so haben wir in diesen Sätzen Wert und Wesen der religiösen Rede genau umschrieben. I. So oft hören wir für die Predigt, welche an heiliger Stätte verkündet wird, die Bezeichnung ,,Gotteswort". Die Zuhörer denken meist von diesen Reden nicht so erhaben und beurteilen sie nach persönlichem Gefallen und Mißfallen. Das ist ein schroffer Gegensatz; jedenfalls liegt in dem Ausdruck ״Gotteswort" eine mlgeheure Uebertreibung, jeder Redliche, dein es vergönnt ist, an gottgeweihter Stätte zum Volke zu reden, möchte gern Wahrheit, reine, lautere Wahrheit künden; aber das wollen die braven Menschen an jeder Stelle, in jeder Lage; wie wir uns auch drehen und wenden mögen, so bleibt doch die Predigt ״Menschenwort", erhabener nur durch den Inhalt, durch das Ziel, ״die Größe Gottes zu künden." Wer hatte eher ein Recht, sein Wort Gotteswort zu uennen, als Mose, von dem Gott meldet: ״In meinem ganzen Hause ist er vertraut", der in der Gottheit webte und strebte. Aber unser Text lehrt uns, daß Mose bei weitem nicht so unbescheiden war, als es heute Viele sind, die nicht entfernt an ihn heranreichen; er brauchte die Ausdrücke: meine Lehre, mein Wort; Gott offenbart sich, Gott waltet in jedem reinen Mahrheitsstreben, in jedem Worte, in welchem ein reines Streben sich kund thut; aber der