Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 143)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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137 III. Wir stehen vor dem vierten und letzten Boten, vor unserm heutigen Sabbath. Wir hoben seine Sendung vernommen, er wendet sich an die Familien, (למשפחותיכם) und befiehlt ihnen dos Possohmohl als ein heiliges Fomilienmohl zu bereiten. Und er will uns damit den hohen Werth des Familienlebens einprägen. Israel hat aufgehört, ein Volk zu sein, es ist kein Staat mehr, aber die Familie ist der Felsengrnnd, aus dem sein Dasein beruht, in der Treue und Innigkeit seines Familienlebens findet es Schutz und Stütze, Trost und Ersatz, für Manches, was es im Leben entbehren muß. Und darum, weil das Wesen der jüdischen Religion erst in der Familie so recht eigentlich zum Ausdruck kommt, darum muß der Rabbiner unserer Zeit ein Freund jedes jüdischen Familienhauses sein. Als Moses zum Führer und Lehrer des Volkes geweiht werden sollte, da erging an ihn der Ruf: רד הצד בצם ״Steig hinab" von der Höhe Deiner Stellung in das Thal des Lebens, d. h. verschaffe Dir einen Einblick in die Lebensverhältnisse Deiner Gemeinde; denn wenn Tein Wirken von Wirkung sein soll, so muß es angepaßt sein den Bedürfnissen Deines Wirkungskreises. So flehte einst Mose: ״ יפקוד ה׳ איש.. .אש ר יצא לפניהםNicht über, sondern vor seiner Gemeinde soll der Rabbiner stehen", denn, meine andächtigen Freunde, wie treffend und wie trefflich auch die Worte sein mögen, die der Prediger von dieser Stätte herabsendet zu seiner Gemeinde, sie sind Nichts, sie bleiben erfolglos, wenn er nicht selbst auch hinabsteigt und den Einzelnen, wie er im Leben steht, beobachtet. Hier im Tempel, meine Andächtige, geht der Einzelne aus in der Gemeinde, hat er nur iin Ganzen seine Bedentung, und das Wort der Belehrung und der Erhebung muß sich da unterschiedslos an Alle wenden, wie verschieden auch die augenblickliche Stimmung und Lage des Einzelnen sein mag.