Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
11 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 84 (sequence 90)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9616701-9618237-9618238--2293-9618326
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Predigt am achten Tage des Passahfestes. M. A.! Ter achte Tag des Pahssafestes ist eine religiöse Einrichtung, die nicht so sehr im Gebote, als im Gemüthe begründet ist, die ein rührendes Zeugnis; ist der religiösen Innigkeit, welche unsere Vater beseelt hat. Diejenigen, welche den achten Tag geweiht haben, sie wußten ganz gut, daß die heilige Schrift nur sieben Tage vorschreibt, aber sie konnten sich vom Feste nicht trennen; wie man wohl einen lieben Freund aufhält, wenn die Zeit des Scheidens gekommen ist, daß er noch einige Stunden über die ursprüngliche Absicht bei uns weile, so wollen wir von dem Fest nicht lassen, obgleich es eigentlich schon vorüber ist, um noch einen letzten Gruß von ihm zu erhaschen; genießen wir ja auch das Licht der Sonne noch eine kurze Weile, nachdem sie schon untergegangen ist. Und spätere Lehrer unseres Volkes haben dann auch diesen Tag, der gleichsam die Brücke bildet zur Werktagszeit, weise ausgenützt, indem sie an ihm einen Gottesdienst anordneten zur Erinnerung an unsere Heimgegangenen. Vom Feste selbst sollten solche wehmüthigen Erinnerungen möglichst ferngehalten werden; an den Tagen, welche von der Schrift selbst geweiht sind, sollten nur freudige Klänge unsere Tempel, unsere Häuser, unsere Seelen dnrchtönen; ja so eifersüchtig wachen unsere Weisen, daß dem Volke jede rechte Freude ungeschmälert erhalten bleibe, daß nicht einmal Familienfeste an den religiösen Feiertagen gestattet sind, denn sagen sie, ״man vermischt nicht eine Freude mit der andern" (אין מלרבין שמחה בזזמחד.); geschweige denn, daß sie die Trauer fern hielten und ihr ungern einen Platz einrüumten am Gottesdienste der Feste.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.