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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
11 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 77 (sequence 83)
Language
German
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77 hatten. Jeder fühlt es, wie die Achtung des Volkes vor den Gesetzen dadurch leidet, daß sie dem Zufall der Zahl nicht selten ihre Entstehung verdanken. Es ist wahrlich kein Zufall, daß so viele Elationen das gewonnene Kleinod der Freiheit nicht wahren konnten, sondern eine Beute herrschsüchtiger Gewalthaber geworden sind: diese Nationen haben ihren Knechtssinn noch nicht überwunden, sie wurden frei, mehr durch eine Onine des Schicksals, als durch eigene Energie, es bildete sich statt der Volks- Herrschaft ein Parteiregiment und weil sie knechtisch gesinnt waren, sind sie wieder Knechte geworden. Ganz besonders gilt der Satz: ״Freiheit ist Duldsamkeit" auf religiösem Gebiete; hier ist das Menschengeuüith am empfindlichsten; spröde weist es auch das Gute zurück, wenn es ihm überlaut augepriesen, oder wenn es gar ihm ausgedrängt wird. Und der wahre Freisinn offenbart sich darin, daß er die Vermittlung und Versöhnung sucht, daß er nicht aus das Uebergewicht der Zahl oder gar des Besitzes sich beruft, sondern aus das Uebergewicht des Gedankens, der Frömmigkeit, des lauteren Wollens vertraut, und nur überwindet, indem er überzeugt. Selbst bei den Wilden ist es schimpflich, mit vergifteten Waffen zu kämpfen, und im religiösen Streit sollte es erlaubt sein, den Redlichen durch Verdächtigung zu kränken? Wer will es mit Sicherheit sagen, er könne der Flamme Einhalt thun und ihr eine Grenze setzen, wenn sie erst entfacht ist. Darum zieint es denen, die sich freisinnig neunen, zuerst nach innerer Freiheit zu streben und diese ist das Theil derer, die sich in Gemüth uud Anschauung der Gegner versetzen können. Dann ist ihr Wirken wie Frühlingsthau für die durstenden Gefilde, Blumen uud Saaten der Erkenntnis; sprießen an allen Orten, in denen sie walten. Gieb Du, Allgütiger, daß d i e Freiheit, welche der Friede ist, ihr Scepter immer weiter ausbreite! Mögen!Diejenigen, welche die Freiheit auf ihr Banner schreiben, sich selbst befreien von Vorurtheilen, von Herrschsucht, von rechthaberischer

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