Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Und hat der Mensch an seinen eigenen Siegen eine rechte Freude, wenn er sie gewinnt ohne einen ernsten Kampf, ohne ein energisches Ringen mit dem Schicksal? Die arbcitsam!tc Station hat das Wort gebildet: ״ein Selbstmann" und sie hat den größten Rcspeet vor den Renten, die klein begonnen haben und groß gen׳orden sind. Man spricht in vielen Kreisen mit einer genössen Geringschätzung von einem Emporkömmling und es ist ja schon nicht zu leugnen, daß wie man an den Schwielen die Hand erkennt, die schwer hat arbeiten müssen, daß man ebenso auch am Charakter, am Benehmen, in den Formen des Verkehrs oft genug cs merkt: dieser Mensch hat dem Geschicke seine Gunst im Schweiße des Angesichts abringen müssen: anmnthiger, gefälliger, leichter sind die, die im Wohlstand erzogen sind, aber tüchtiger, gefesteter und zuverlässiger sind zweifellos diejenigen, die ans eigner Kraft emporgestiegen sind und die eckigen, ungelenken Formen läßt sich der Besonnene an ihnen gefallen, wie an der Eiche die Knorren, ')lux d i e Emporkvmmlinge sind oft ebenso lächerlich als verächtlich, die der Vvlksmund als Glückspilze bezeichnet, weil sie wie die Pilze über Rächt empvrschießen, die ohne eigenes Verdienst durch irgend einen Zufall Rcichthum mvvrben haben; aber n׳ic kurzdauernd ist meist diese urplötzlich emporgeschosscne Herrlichkeit? Nicht der ist ein Glückskind, der ohne Mühe gewinnt, denn wo liegt die Gewähr, daß der Windhauch, der ihm die Gaben des Schicksals zngesührt, sie nicht auch wieder davon trägt, sondern der ist ein Glückskind, dessen Arbeit der Erfolg gekrönt hat, denn er wird das Gewonnene sestzuhalten suchen auch gegen den Sturm. Wenn es nnn bei allen Gütern der Erde ein Bedürfnis; ist, um ihrer recht froh zu werden, daß ihr Erwerben und ihr Erhalten uns Arbeit und wohl auch Sorge bereitet, warum sollte es bei der Freiheit anders sein? Israel vereint sich heute in seinen Tempeln, in seinen Häusern und singt Tankespsalmen dem Einzig-Einen, daß er die Vorfahren dereinst aus der Enge in die Weite, aus der Finsterniß zum