Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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55 gekündigt hat. Das ist unser Glaube und unsere Hoffnung. Wir haben Thränen gesäet und werden Freuden ernten. Weil Israel in seiner Hütte den wahren Gottesfrieden abgespiegelt findet, vermag es mit dem Bande des Friedens das eigene Herz mit dem der Menschheit zu verbinden. Die Friedenshütte Israels wird der ganzen Menschheit Friedens- Hütte. Siebzig Opfer wurden einst, so erzählen die Weisen, am Feste dargebracht für die siebzig Völker der Erde, ein einzig Opfer ward dem einzigeit Gottesvolke geweiht, welches den Frieden stiftete mit Allen (Suckali 55 b). — Betrachtes wir, 111. A., einmal das Bild des Regens. In Tropfen verdichten sich die Dämpfe, welche aus dem Meere in die Höhe steigen, um oben zu verdunsten. So ist die Idee des Einzelnen aus der Gesammterkenntniß zu gewinnen, welche vom Boden der Wirklichkeit in die Höhen des Ideals hinaufdringt. Dieses Ideal ist die Menschheilsverbrüderung im Streben und in der That des Friedens. Darum sagt der Prophet: ״Alle Völker werden das Hüttenfest feiern, wer das Fest nicht feiert, dem quillt kein Regen." Im Bilde des Regens liegt das Ideal als Bedingung des Weltfriedens, im Bilde der Hütte die Erfüllung. Gelobt seiest Du, Allgütiger, der Du die Friedcnshütte wölbest über der Familie der Menschheit. Du bist der Herr des Weltalls, und das ganze Weltall findet in Dir den Frieden. A111 e n! IX. Koheleth oder das wahre Glück. Predigt am Schlußfest. Meine andächtigen Zuhörer! Es giebt eine talmudische Legende, Salomo habe zur Strafe dafür, daß er Alles für eitel erklärt, daß er die Herrlichkeit der Gottesschöpfung und ihren Werth für das Menschengemüth geleugnet hatte, am Abend seines Lebens seine Königskrone verloren. Da sei er nun von Ort zu Ort gewandert; aber er, der einst so Gefeierte, einst von aller Welt Aufgesuchte, habe eine ent-