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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 27

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
11 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 27 (sequence 33)
Language
German
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27 beim Beginn des Jahres uns bewußt werden, des soll der erste Klang des Schofars uns gemahnen, es ist der Ruf der Huldigung- Nalekffaus. Wenn uns der Jahres-Anfang an den erinnert, der aller Anfang Anfang ist, so sollen wir in ihm auch den erkennen, der aller Könige König ist. Denn es giebt keinen Gedanken, der dieses Tages würdiger wäre, als der Gedanke eines göttlichen Königsthums, weil es keinen Gedanken giebt, der einen stärkeren Schild uns böte gegen den schlimmsten Mahn unseres Herzens, der, wenngleich oft besiegt, sich stets vom Neuem erhebt, der unseren Frieden stört, unsere Ruhe untergräbt, der in den Becher der Wonne den Wermuthstropfen mischt, der in die Seligkeit der Liebe, in den Ernst der Freundschaft das Gift des Zweifels träufelt, der in die Freude des Gemüths und in den Genuß der Freude den Schatten der Sorge wirst, der gerade heute, auf der Grenzscheide zweier Jahre am heftigsten in uns auf und niederwogt, — gegen den Wahn des Zufalls. Ist er es nicht, der heute den lähmenden Gedanken der Bergänglichkeit in uns hervorzaubert, der das langgestreckte Bild unseres Lebens in den knappen Rahmen des Augenblicks zusammenfaßt, wo wir zerstört erblicken, was wir dauernd, zertrümmert, was wir unvergänglich glaubten? Ist es der Zufall nicht, der das Wechselspiel von Krieg und Frieden, von Untergang und Erhebung, von Trennung und Wiedersehen, von Gewinn und Verlust, für sein Werk zu halten uns bereden möchte? Ist es der Wahn des Zufalls nicht, der die Hoffnung lähmt, der den Wunsch erdrückt, der nur zu Einem uns ermuthigt: ״ אכול שתו מחר נמותGenießen, nur genießen, denn morgen sind wir nicht mehr!" Drum horch, was der Schofar ruft: daß es einen höchsten König giebt über die ganze Erde, einen König und Lenker dieser großen Welt, bei dem der Zufall Vorsehung, das Schicksal Bestimmung, das Ungefähr Absicht, das Vielleicht Gewißheit heißt. Und diese Verkündigung festigt den Boden unter unseren Füßen, sie entrückt uns der Umarmunb eines blinden Geschickes, sie

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