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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 79 (sequence 170)
Language
German
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79 XXIV. Das Lebensschiff. Ein Gleichniß. Hochgeehrte Trauer-Versammlung! Ein Weiser des Morgenlandes erzählt uns im Midrasch solgendes Gleichniß: ״An dem Hafen einer großen Seestadt war einmal eine große Menschenmenge versammelt; denn ein neues, stattliches Schiff sollte zuin ersten Male hinausziehen auf die hohe See und mit seinem Kiele die Wogen des Meeres durchfurchen. In festlichem Schmucke, geziert mit Blumen, Kränzen und farbigen Bändern stand es da, bereit zur Abfahrt. Als nun der Kapitän das Zeichen gab, die Taue gelöst, die Anker gelichtet waren, und ein günstiger Wind, die Segel schwellend, das Schiff Hinaustrieb auf die hohe See, da schmetterten zahlreiche Instrumente auf dem Verdeck und das am Ufer versammelte Volk brach in ein Freudengeschrei aus und schwenkte mit den weißen Tüchern so lange, bis das Schiff den Blicken entschwunden war. — Währenddessen zog auf der anderen Seite des Hafens ein anderes Schiff vom Meere her dem Ufer zu, befrachtet mit reichen Schätzen, mit kostbaren Maaren aus den fernsten Ländern. Doch Niemand beachtete dieses Schiff, still und unbegrüßt landete es am Ufer. — Ein weiser Mann, der dabei stand, stellte darüber seine Betrachtung an und sprach: ״O thörichtes Volk! wäre es nicht vernünftiger, dem heimkehrenden Schiffe zuzujauchzen, dem enteilenden aber Blicke der Besorgniß nachzusenden. Denn zahlreichen Gefahren geht dieses entgegen; es kann versinken, an Klippen und Sandbänken zerschellen, oder Seeräubern in die Hände fallen. Jenes aber ist glücklich und wohlbehalten in den Hafen eingelaufen und kehrt, mit reichen Schätzen beladen, in die Heimath zurück." — Der Sinn dieses Gleichnisses ist nicht schwer zu errathen, meine Lieben. Wiege und Bahre sind die beiden Schiffe. Wenn ein Kind geboren wird, so ist das Haus voll Jubel und Freude; aber Trauer und Wehklagen begleiten den •***

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