Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 78 (sequence 169)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9616701-9618061-9618062--2199-9618228
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

78 ihm ins Herz gelegt hast!" Heil ihm, der mit Darangeben der Körperkraft sich Geisteskraft errungen, der für des Körpers Leben eingetanschet unsterbliches Geistesleben! Wohl ist er von hinnen gezogen, ohne Lohn seiner Mühen, nach allzu kurzem Verweilen, aber angefüllet mit köstlichem Gute ist seine Lebenswisfenschaft gelandet in den! Hafen des Jenseits. Wissen und Gotteserkenntniß — nicht für sich allein hat er engherzig sie erstrebet, mit reicher voller Hand hat er ausgestreuet die Saat der Tugendkeime in gar manches Herz durch seiner Rede wirkende Macht, durch seiner Schriften fesselnde Kraft, gesenket hat er höhere Erkenntniß, geistigen Ztrebens Verständniß in viele jugendliche Gemüther durch seiner Belehrung reich sprudelnden Quell, seinem Namen hat er errichtet Angedenken, dauernder denn Erz und Stein, durch seiner Forschungen Frucht auf dein Felde der Wissenschaft! So schnell dorrte die blühende Pflanze, so bald welkte die farbenreiche Blume, weil der Geist Gottes mächtig war in ihr. Aber tröstend rufet zugleich uns die Stimme aus der Höhe zu: ״Wohl dorrt die Pflanze, wohl welket die Blume, allein der Geist, der sie belebte, das, was ihr den hohen Reiz und Werth verliehen hat, das Wort des Ewigen, es lebet ewig fort! llnvergessen und unverloren ist das Streben dieses Seligen, sein Forschen und sein Wirken. So ruhe denn aus, Du schwergeprüfter Dulder, in der schmerzensfreien Welt, die Dich umfängt. Dorthin ist Dir vorausgeeilt Deine Tugendhaftigkeit, dort wird Dir zu Theil werden der Lohn, der hienieden Dir versagt geblieben, der Lohn des edlen Strebens, der Lohn Deines lehrreichen Lebens, Deines Wirkens, für Deinen Glauben und Deine Glaubensgenossen, für die Thora, für die Wisfensschaft. Uns Allen aber, die wir durch des Geistes und des Glaubens Bande uns nah fühlten dem Verewigten, uns gewähre einigermaßen Trost der Gedanke, daß das, was er geleistet, uns unvergänglich verbleibt, daß sein geistiges verklärtes Bild in unserem Herzen fortlebt, wie sein Andenken in Israel, vor Gott! Amen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.