Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 147)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9618061-9618062--2177-9618206- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
56 tionen. Es giebt keine Einrichtung auf dem Gebiete unseres Cnltns und Schulwesens, sowie unserer WohlthätigkeitSanstallen in den letzten Deeennien, mit welcher sein Name nicht verknüpft wäre als der eines verständnißvollen, gewissenhaften, opferbereiten Führers seiner Genleinde. Und er war stolz ans dieses Ehrenamt, das er nahezu ein Vierteljahrhundert zum Heile der Gemeinde verwaltete; ihm war das Amt keine B ü r d e, sondern eine W ü r d e, ja nach einer charakteristischen, vor wenigen Jahren einmal gethanen, hervorhebenswerthen Aenßerung: ein Gottesdienst! ״Ich glaube — sagte er einstmals, als Gottesdienst und amtliche Beschäftigung eollidirten — ich glaube Gott zu dienen, wenn ich meiner G emein de diene!" Fürwahr, diese hohe Auffassung von der Würde seines Amtes macht ihn würdig, zu denen gezählt zu werden, von denen es heißt: ״Diejenigen, die sich mit Gemeindeangelegenheiten beschäftigen in Treue, die für sie arbeiten im Namen Gottes, denen wird der Herr es einst reichlich lohnen, ihre Tugend besteht ewiglich!" (Spr. d. Väter.) Es konnte nicht fehlen, daß ein Mann von solcher Begabung und Hingebung auch über den Kreis seiner mit Verehrung und Liebe ihm anhangenden Familie und Gemeinde hinaus, bei seinen Mitbürgern wohlgelitten war, als Bürger geehrt und geachtet dastand. Ein Kind dieser Stadt, entwickelte er frühzeitig treffliche Anlagen und es gelang ihm, durch Fleiß und Tüchtigkeit sich eine sehr geachtete Stellung in geschäftlichen und gesellschaftlichen .Kreisen zu erringen; in Treue und Patriotismus diente er feinem Könige, mit Liebe hing er an seiner Vaterstadt. Streng gegen sich, war er mild gegen Andere, und es verbarg sich hinter der scheinbar rauhen Außenseite ein gar warmfühlendes, ein־ pfindungsvolles Herz, eine leutselige, menschenfreundliche Gesinnung. Darum tvar groß die Zahl seiner Freunde wührend seines Lebens, darum sehen wir auch ein so zahlreiches, hochgeehrtes Gefolge, die Spitzen nicht nur unserer Gemeinde, sondern auch der städtischen Behörden hier versammelt, um ihn! den letzten Liebesdienst zu erweisen. Sie alle legen Zeugniß