Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 144)
- Language
- German
- Belongs to
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53 Doch brauche ich Ihnen diese Worte erst zuzurufen? Wäret! Sie es nicht, trällernder Vater, der beim ersten Begegnen unter Händeringen mannhaft und gefaßt mir diese Worte entgegenrief? Sie legen ein ehrendes Zeugniß von ihrer ergebnißvollen, gottvertrauenden Gesinnnug ab. Wer mitten im herbstett Schmerz diese Worte auszusprechen vermag, der hat den echten Trost gesunden, in dessen Herz ist die höhere Fassung, Ruhe und Frieden eingekehrt. Doch für das von Schmerz zerrissene, in Trauer gehüllte Mutterherz nehmen Sie folgende Parabel aus den Schriften unserer Weisen als Trostesbalsam heim von dieser Stätte ewigen Friedens: ״Einem weisen Rabbi war ein blühender, körperlich und geistig wohlgebildeter Sohn gestorben. Da traten seine gelehrten Freuttde und Jüitger ein, u!n ihn zu trösten. Der Eitle wies ihn auf Adam hin, der ben Abel so unversehens verloren, der Andere auf David, der beit Verlust eines jüngsten Kindes und eines erwachsenen Sohnes ertragen mußte, der Dritte gar auf Hiob, dein der Tod alle Kinder beim heitern Mahle raubte, uub dem im höchsten Schmerze kein Wort des Unwillens und der Anklage entfuhr. Gesenkten Haupt saß der Rabbi hinbrütend da bei diesen Reden, die ihn unbefriedigt ließen. Der Hittweis auf größeres Leid, das Aitderen widerfuhr, bot ihm keinen vollen Trost. ״Habe ich mit meinein Schmerz nicht genug, daß Ihr mir. den jener Väter noch vorführt?" rief er ihnen zu. Da erhob sich sein Lieblingsschüler, R. Eleasar, und erbat sich das Wort: ,,Rabbi, ich will Dir eine Parabel erzählen. Ein König hatte einem seiner Vertrauten ein kostbares Kleinod in Verwahrung gegeben, das er zur Zeit schon. abfordern lassen wollte. Wie sorgfältig verwahrte dieser es, wie ließ er es an nichts fehlen, um es reiu und glänzend zu erhalten, und wie glücklich war er, als er es zur Zeit der Abforderung fleckenlos und unversehrt abliefern konnte'...." Der Rabbi verstand die Anwendüng, er erhob sich, und leuchtenden Auges sprach er: ״Du hast inich wahrhaft getröstet, mein Sohn! Der Herr hatte ihn gegeben, der Herr hat ihn genommen, des Herrn Namen sei gepriesen!"