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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 52 (sequence 143)
Language
German
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52 ״Die ganze Stadl war tief ergriffen"*) — so zeigt sich auch hier die Theilnahme nicht nur der ganzen Gemeinde an dem Trauergeschick ihres ersten Vorstehers, sondern auch die eines hochachtbaren Theiles unserer Mitbürgerschaft. Und was Jene, die Ahnenmutter Davids, der theilnehmenden Menge schmerzbewegt zurief: ״£ nennet mich nicht mehr die ״Anmuths-", sondern die ״ Wehmuthsvolle", denn bitteres Leid hat der Herr mir zugefügt. Voll und reich mar ich von Euch gegangen, leer bringt mich der Herr zurück!"**) — diese Worte, unausgesprochen lesen wir sie aus dem wehmuthsvollen Blick der schwerbetroffenen Eltern. Voller Hoffnung waren sie vor sechs Monden mit ihrem kranken Sohne von uns gegangen und mit einer unausfüllbaren Leere im Elternherzen und im trauten Familienkreise sind sie heimgekehrt. Statt des freudigen Willkommensgrußes, den wir ihnen zugedacht, haben wir zu schwerer Abschiedsstttnde ttits hier versammelt. Und gleichwohl sollen es jene beiden üblichen, vielsagenden Willkommensworte sein, die diese bittere Trennungsstunde versüßen mögen: שלום עליכם ,,Frieden mit Euch"! ״Frieden mit Euch!" rufe ich Euch, Ihr Eltern, als TrostesZuspruch, ״Frieden mit Dir!" rufe ich Dir, Frühentrissener, als Scheide grüß zu. Frieden mit Euch! Frieden und Ruhe und Beruhigung ziehe ein in Euer schmerzbewegtes Ellernherz. Frieden und Beruhigung flöße Euch das in der That beruhigende Bewußtsein ein, daß Ihr Alles, was in Menschenmacht lag, gethan, tun des Sohnes Leben zu schützen und zu erhalten, daß Ihr mit dein Propheten sprechen könnt: Was war noch an diesem Weinberge zu thun, was wir nicht an ihm gethan hätten? Warum hofften wir, daß er edle Früchte tragen werde? . . ."***) Der Herr hatte es anders beschlossen, und ״was Gott thut, das ist wohlgethan!" *) Ruth 1, 19. **) Ruth 1, 20, 21. ***) Jesaj. 5, 4.

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