Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 141)
- Language
- German
- Belongs to
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50 XVI. Worte der Trauer und des Trostes an der Bahre eine- Lchülers. Das ganze liefe Weh, der unsägliche Schmerz, der unser Aller Herz, theilnehmende Trauerversanmilung, Angesichts dieser Bahre durchzieht, entströmt dem erschütternden Gedanken, daß es der Leichnam eines Jünglings ist, den wir hierhergebracht, — tiefgebeugte Elter 1t beweinen den vorzeitigen Tod ihres ältesten Sohnes! Unter allen Schmerzenswunden, die der Tod den Ueberlebenden schlägt, ist unstreitig diejenige die brennendste, welche erwachsener Kinder allzufrühes Grab dem Elternherzen zufügt. Wenn ein unerwarteter Frost zarte Blüthen, die dem Lichte der Frühlingssonne sich kaum geöffnet, überfällt und zu Boden wirft, wenn der Sturm ein junges Bäumchen, das in Kurzem seine edlen Früchte dem Menschen darreichen sollte, ersaßt und mitten entzwei bricht, dann blicken wir traurig und bedauernd hin auf solche schmerzliche Zerstörung — in der f,ühllosen Natur. Um wieviel mehr erst in der fühlenden Menschenwelt! Wenn da der eisige Todesfrost ein lebenswarmes Herz erfaßt, wenn er blühende Wangen bleicht, eine jugendliche Kraft lähmt, einen hossnnngsvollen Jüngling zu Boden streckt — ach! wie viele Geistes- und Herzensblüthen sind da im Lebenssrühling geknickt, wie viele stolze Hoffnungen der Mutter sind da mit einem Male geschwunden, wie viel Zukunstspläne des Vaters völlig vereitelt! Händeringend hören wir die Ellern mit Hiob klagen: ״Wo ist sie hin unsere Hoffnung? Wer erblicket sie? In die einsame Gruft hinabgestiegen, wo wir dereinst allesammt im Staube ruhn".*) Und wie Jeremias auf den Trümmern Jerusalems, so sehen wir den schmerzerfüllten Vater hier an dieser Bahre, die die Trümmer seines erhofften Lebensglückes birgt, in die Worte jenes °) Hiob 17, 15 und 16.