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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 30 (sequence 121)
Language
German
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30 er hat es fast geflissentlich vernieden, Einfluß zu ge- Winnen, dennoch wird sein Heimgang empfunden wie der Tod eines Patriarchen, uns Allen fehlt das Vorbild des Mannes, an dem offenbar wurde, wie die Gottesfurcht zum Segen wird für ein ganzes Geschlecht; er war fromm, aber schon unsere Alten sagen, daß der Ilngebildete nicht fromm sein könne; so besaß er denn jene Grundlage aller Frömmigfeit, Bildung des Geistes, Bildung des Herzens. Als Jüngling war er eingeführt worden in die Kunde des jüdischen Schriftthums und ihm war es eine heilige Aufgabe, die Stunden der Muße in den Dienst der Wissenschaft zu stellen, und der hochbetagte Greis suchte seine Erholung, seine Unterhaltung in dem Studium der Thora, er wurzelte im Judenthum der alten Zeit, sein religiöser Sinn bedurfte nicht des Zierraths, mit dem die Gegenwart den Gottesdienst schmückt, er war seinem Gotte vertraut wie einem Freunde und für die Zwiesprach seiner Seele mit Gott konnte er die feierlichen Formen leicht entrathen; aber sein offener Sinn war dem modernen Gedanken nicht abhold, und gern und mit geklärtem Urtheil und ohne jeden Fanatismus horchte er auf, wenn un'ere alte Lehre von den Ideen der Gegenwart beleuchtet wurde; und unauslöscylich ist wohl uns Allen der Eindruck, wenn er selbst bei gewichtigem Anlaß inmitten einer festlichen Versammlung zu ernst-gemüthvoller Rede das Wort ergriff; er war kein Schönredner und er war auch weise genug, es nicht sein zu wollen; aber unwillkürlich kam uns, sobald wir ihn vernahmen, die Erinnerung an jenen Greis der Mythe, von dem erzählt wird, daß die Rede ihm süß, dem Honigseim von den Lippen floß; er sprach so schlicht, so besonnen, so gesättigt von Lebenserfahrung, so ohne alle Absicht, einen Eindruck zu erzielen, daß er ohne Weiteres des mächtigsten Eindruckes gewiß sein konnte. Solch ein Frommer hat vollendet! wo sind diejenigen, die ihn ersetzen könnten! ״Es schwinden die Gottgetreuen unter den Menschenkindern"; ihm war die Thora die große Angelegenheit des Lebens; wo sind die Männer mit dieser

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